Seit den frühen 90er-Jahren existieren drei Grundpfeiler, die den Begriff des CSR, die Corporate Social Responsibility, definieren: der positive Geldfluss sowie eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Unternehmensführung. Als wichtiges, zentrales Element ist nun auch die Rückverfolgbarkeit hinzugekommen. Der Unternehmer Robin Cornelius, Gründer der Textilmarke Switcher, hat dazu eine klare Vision.

Sie vertreten den Grundsatz «weniger ist mehr». Was hat Sie zu dieser Erkenntnis gebracht?

Wenn die Unternehmen die Bedeutung der Rückverfolgbarkeit erst erkennen, werden sie auch die immense Bedeutung der Nachhaltigkeit neu entdecken

Ich verstehe diese Aussage nicht materiell, sondern vielmehr produktbezogen. Wir kaufen uns beispielsweise ein Paar Schuhe. Wenn etwas daran nicht mehr in Ordnung ist, werfen wir sie weg. Wir könnten sie aber auch dem Schuhmacher bringen und dieser macht mit wenig Aufwand einen fast neuen Schuh daraus, der uns noch lange Zeit dienen wird. Diese Vorgehensweise setzt ein anderes Qualitätsbewusstsein und eine Langfristigkeit im Denken und im Handeln voraus. So wird aus weniger weggeworfenen Schuhen plötzlich mehr Sinn, mehr Qualität und mehr Nutzen für alle.

Jedes Produkt hat seine eigene DNA, sagen Sie. Wie kann man diese transparent machen?

Vor über einem Jahrzehnt haben wir mit Product DNA ein unabhängiges und effizientes Tool zur Rückverfolgbarkeit eines Produktes entwickelt. Durch einscannen eines QR-Codes mit dem Smartphone oder Tablet oder eine Anmeldung mit Code auf respect-code.org bekomme ich alle Informationen über die Herkunft und die Lieferkette eines Produktes. Das Ziel dabei war und ist es, Produzenten, Marken und Konsumenten dazu zu bringen, diese Vision der Transparenz zu teilen. Jeder verantwortungsbewusste Kauf passt unabdingbar und zu jedem Zeitpunkt in eine Dynamik von Transparenz. So lässt sich jeder Produktionsprozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt messen, erfassen, aufzeichnen, vergleichen, korrigieren und optimieren.

Was nützt es uns, die DNA eines Produktes zu kennen?

Jedes Unternehmen kann seine Produkte auf einer unabhängigen Plattform listen und die eigene Zulieferkette, unter Berücksichtigung aller sozialen und ökologischen Aspekte, für seine Kunden transparent machen. Das schafft echte Transparenz für den interessierten Konsumenten und stärkt die Kundenbindung, die Beziehung zu den Lieferanten und die Reputation des Unternehmens in der öffentlichen Wahrnehmung.

Hat das einen Einfluss darauf, welche Produkte wir in Zukunft kaufen werden?

Der Käufer entscheidet selber, welche Informationen über ein Produkt für ihn wichtig und für den Kaufentscheid relevant sind. Das Ziel ist es, die Informationen überhaupt zur Verfügung zu haben. Dieser ganze Prozess löst aber auf der anderen Seite auch die genannte Transparenz aus. Das verändert zahlreiche Elemente in der ganzen Produktionskette und sensibilisiert alle am Produktionsprozess Beteiligten. So entsteht Nachhaltigkeit und ein Nutzen vom Rohprodukt bis zum Konsumenten.

Wie kann man die Handlungsweise der Produzenten positiv auf Nachhaltigkeit und Transparenz beeinflussen?

Je mehr Unternehmen von dieser Vision überzeugt sind, umso grösser wird der Druck, sich der Rückverfolgbarkeit zu stellen. Mit Beratung wollen wir den komplexen Prozess auf die unternehmenseigene Produktionskette anwenden, überwachen die Beschaffungskette permanent und spüren dadurch Risiken und Schwachstellen auf. Dazu unterstützen wir diesen Prozess bei der unabhängigen Weiterentwicklung, der Prüfung der Daten und beraten bei Audits, Zertifizierung und Kennzeichnung von Fabriken und Produkten durch Dritte. Ein wichtiger Punkt dabei ist die langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit NGO, Regierungen, Marken, Zertifizierungsstellen und Agenten.

Liegt der Schlüssel unserer Nachhaltigkeit in der Produkt-DNA?

Es ist zumindest eine gute Basis für eine bessere Nachhaltigkeit. Wenn die Unternehmen die Bedeutung der Rückverfolgbarkeit erst erkennen, werden sie auch die immense Bedeutung der Nachhaltigkeit neu entdecken. Der Einkäufer eines Produktes wird sich künftig nicht bloss für Qualität, Menge und Preis interessieren, sondern für viele weitere Referenzpunkte, welche die Herkunft und Entstehung dokumentieren.