Immer öfter geben Unregelmässigkeiten in Führungsetagen zu reden. Wie entstehen solche Situationen, wie kann man ihnen begegnen?

Unternehmen entwickeln Neues jenseits von Normen und Gewohnheiten, wenn sie innovativ und konkurrenzfähig bleiben wollen. Problematisch wird die Regelverletzung, wenn andere in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Abgasskandal von VW ist dafür ein typisches Beispiel. Die Dieselmotoren erfüllten die strengen Vorgaben des Top-Managements hinsichtlich Verbrauch, Haltbarkeit und Preis-Leistung, nicht jedoch die strengen Abgasvorschriften.

Führungspersonen brauchen neben kognitiver Intelligenz je länger je mehr auch emotionale und spirituelle Intelligenz.
Die Entwickler umgingen sie mit einer Softwaremanipulation – aus Angst vor internen Sanktionen oder gar Verlust ihrer Position. Solch eine Misstrauenskultur lässt sich aber nicht auf Knopfdruck ändern. Dazu sind Führungsstrukturen erforderlich, die ihre Verantwortung nicht nur technisch und ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch wahrnehmen.

Welche Kompetenzen sollten Führungspersonen verkörpern?

Gerade in Grossunternehmen wie VW ist technisches Know-how, also die kognitive Intelligenz (IQ), hoch entwickelt. Menschen lassen sich damit aber nicht führen. Sie wollen emotional angesprochen, in ihrer Persönlichkeit respektiert, fair behandelt und auch als kritische Entscheidungsträger ernst genommen werden. Wenn man sie stattdessen für jeden vermeintlichen Fehler abstraft, werden sie unerwünschte Informationen zurückhalten und alles daran setzen, nicht negativ aufzufallen.

Fehlerfreundliche Firmenkulturen fördern die emotionale Intelligenz (EQ) ihrer Führungskräfte und ihre Fähigkeit des Zuhörens, der Empathie, Wertschätzung, freien Meinungsäusserung und Kooperation.

Benötigen Führungskräfte neben den fachlichen und sozialen Skills noch weitere Fähigkeiten?

Es zeigt sich immer mehr, dass die effiziente Bewältigung von Problemen und das gute Auskommen mit den Menschen innerhalb und ausserhalb des Unternehmens nicht ausreichen, um es dauerhaft zum Erfolg zu führen. Produkte und Dienstleistungen sollten nicht nur den Kunden dienen, sondern auch für die Gesellschaft und Natur tragbar sein. Sonst verliert das Unternehmen auf Dauer seine eigene Lebensgrundlage. Führungskräfte benötigen dafür Orientierungs- und Reflexionswissen, das aus der sogenannten spirituellen Intelligenz (SQ) resultiert. Sie ist die Fähigkeit, sich selbst zu verwirklichen und dabei einen sinnvollen Beitrag für das grössere Ganze zu leisten, Entscheidungen mit geschulter Intuition zu treffen und auch schwache Signale wahrzunehmen, wenn etwa Mitarbeiter vor bestimmten Risiken warnen oder auf Chancen hinweisen.

Wie kann eine angehende Führungspersönlichkeit sich dieses Wissen, diese Fähigkeiten aneignen?

Die gute Nachricht: Emotionale wie spirituelle Intelligenz können trainiert werden. Solche Handlungswerte können individuell, in Teams, aber auch unternehmensweit vermittelt werden. Einzuübende Tugenden wie Integrität, Fairness, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit und Empathie fördern die emotionale Intelligenz, während solche der Achtsamkeit, Bescheidenheit, Offenheit, Kreativität und Weisheit die spirituelle Intelligenz sensibilisieren. Letztlich läuft es darauf hinaus, die Integrität als inneren Kompass aller Mitarbeiter zu fördern. Dann handeln sie eigenverantwortlich, ohne anerkannte Regeln missachten zu müssen.