Und dies, obwohl sich die Schweiz vor einem Jahr verpflichtet hat, die UNO-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Diese verlangt in Artikel 27 das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, und sie verlangt einen wirksamen Schutz vor Diskriminierung. Leider sieht die Realität noch immer anders aus. «Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderungen noch immer besonders schwierig. Und es gibt keinen wirklichen Schutz vor Benachteiligungen», sagt Eva Aeschimann, Leiterin Kommunikation des Dachverbands Agile.ch. So verwundert es nicht, dass die Arbeitslosenquote von Menschen mit einer Behinderung überdurchschnittlich hoch ist. Dabei ist Arbeit auch für Menschen mit Behinderungen Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Inklusion. «Arbeit hat viele Komponenten. Für viele Menschen mit Behinderungen ist es wichtig, ein selbständiges Leben führen zu können.

Hürden des Arbeitsmarktes

Eine befriedigende Arbeit unterstützt die Selbstachtung, steigert den Selbstwert und ermöglicht soziale Kontakte», so Aeschimann. Dem kann Patrik V. nur zustimmen. Er leidet seit einem Unfall an einer Gehbehinderung und sitzt im Rollstuhl. Patrik V. kennt die Hürden des Arbeitsmarktes nur zu gut. «Ich hatte Glück und konnte eine KV-Lehre in einem grösseren Unternehmen machen. Hier war meine Behinderung kaum ein Thema. Richtig schwierig wurde es erst, als ich mich nach Lehrabschluss um eine neue Stelle bewerben musste.» Patrik V. wurde zwar zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, am Ende erhielt er aber nur Absagen. «Meine Zeugnisse und Qualifikationen waren ausgezeichnet. Als ich jedoch bei den Gesprächen mit meinem Rollstuhl aufgekreuzt bin, habe ich schon eine gewisse Skepsis zu spüren bekommen.» Eine Situation, die Eva Aeschimann nur zu gut kennt. «Genau hier liegt das Problem. Hintergrund des schwierigen Zugangs zu Jobs sind leider oft menschliche Barrieren, etwa Vorurteile gegenüber Menschen mit einer Behinderung.»

Arbeitgeber aufklären

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt funktionieren kann, braucht es Aufklärung und Sensibilisierung bei den Unternehmen. «Die Arbeitgeber müssen wissen, dass es oftmals nur kleine Anpassungen braucht, um Menschen mit einer Behinderung den Weg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Hier hilft sicher auch, wenn Menschen mit einer Behinderung auf die Arbeitgeber zugehen und ihre Bedürfnisse offenlegen», sagt Aeschimann. Oftmals würden so schon erste Hürden abgebaut. «Irgendwann habe ich angefangen, bei einem Bewerbungsgespräch gleich von Anfang an mögliche Vorurteile anzusprechen und zu relativieren. Das wurde sehr dankbar angenommen», sagt Patrik V. Inzwischen hat es auch mit dem Job geklappt. «Am Ende hatte ich sogar die Wahl zwischen zwei Stellen.»