Frau Dr. Aerts, Ihre Stiftung hat über 30 Jahre Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und ist Teil des Corporate Responsibility Portfolios von Novartis. Wodurch zeichnet sich eine gute Corporate Social Responsibility (CSR) aus?


Eine erfolgreiche CSR setzt auf eine Strategie, die für möglichst viele Personen einen möglichst grossen Nutzen für das persönliche und gesellschaftliche Wohlergehen bringt. Die CSR sollte nahe am Kerngeschäft und somit bei den Stärken des Unternehmens liegen. Die Kernkompetenz von Novartis ist das Gesundheitswesen. Dementsprechend setzen wir uns dafür ein, innovative Gesundheitsdienstleistungen für Gesellschaftsgruppen zu erschliessen, denen der Zugang dazu fehlt.

Woher rührt die Motivation, einen Beitrag an die gesellschaftliche Entwicklung zu leisten?

Ich denke, die Bereitschaft ist eng mit dem Humankapital einer Unternehmensorganisation – also mit den Menschen dahinter – verbunden. Wir von der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung verspüren alle die starke Bereitschaft, die Gesellschaft positiv mitzugestalten und die Situation von schlechter gestellten Menschen zu verbessern.

Das Thema medizinische Entwicklungshilfe steht bei Ihnen ganz oben auf der Agenda. In welchen Projekten ist Ihre Organisation derzeit engagiert?

Gegenwärtig sind wir dabei, unsere Strategie zu überarbeiten. Wir wollen uns künftig noch besser auf unsere Stärken beziehungsweise auf Themen konzentrieren, die unserem Fachwissen entsprechen. Eines unserer vielen Projekte ist das Telemedizin-Projekt in Ghana. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wollen wir durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien den Zugang ländlicher Gemeinden zur medizinischen Grundversorgung verbessern. Davon profitieren sollen Menschen, deren Dörfer über schlecht erschlossene Strassen nur schwer zu erreichen sind. Die Telemedizin soll den Patienten und dem gemeindebasierten Gesundheitspersonal in Notfällen oder wenn ärztliche Beratung erforderlich ist, schnelle Unterstützung bieten und beschwerliche Wege ersparen.

Ihre Stiftung setzt sich auch für psychosoziale Hilfe ein.

Richtig. Wir bieten im südlichen Afrika psychosoziale Unterstützung für AIDS-Waisen und andere gefährdete Kinder an. Das Hauptziel besteht darin, Kindern und Jugendlichen zu helfen, Verluste zu verarbeiten und Selbstvertrauen zu gewinnen. Sie sollen wieder zur Schule gehen können und ein normales Leben führen. Unser Pionier-Programm nahm vor 10 Jahren seinen Anfang. Die wegweisenden, weltweit führenden Kurse und Instrumente in Bereich der psychosozialen Hilfe sind mittlerweile in einer eigenständigen Organisation verankert.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die soziale Verantwortung übernehmen wollen?

Ich kann nur aus der Perspektive eines Unternehmens sprechen, das im Gesundheitswesen tätig ist. Firmenorganisationen spielen eine bedeutende gesellschaftliche Rolle, die über das wirtschaftliche Wachstum hinaus geht. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern bringen wir Lösungen mit einer Business-Denkweise in Weltgesundheits-Angelegenheiten ein. Der private Sektor kann mit seiner wirtschaftlichen Sichtweise einen Mehrwert erbringen, indem er dazu beiträgt, innovative Lösungsansätze auszuarbeiten, Diskussionen anzustossen und so Probleme gemeinsam besser anzugehen.