Was hat Sie veranlasst, sich mit Ihrem Hund für die Hilfe nach Erdbeben ausbilden zu lassen?
Im Hundeclub stellte ich fest, dass mein heute siebenjähriger Labrador Milo enorm gern Spuren verfolgte. So schaute ich mich nach Möglichkeiten um, diese Fähigkeiten zu trainieren und stiess auf REDOG, eine Freiwilligenorganisation, die dem Bund und den Kantonen Spezialistenteams zur Verfügung stellt. Das war genau, was ich gesucht hatte. Seit vier Jahren gehöre ich nun zur Regionalgruppe Basel, wo es mir sehr gut gefällt. Die Ausbildung ist recht streng: Milo und ich trainieren einen Abend und einen Samstagvormittag pro Woche. Milo ist ein begabter Trümmerhund. Für die Einsatzfähigkeit benötigten wir verschiedene Prüfungen. In der Schweiz gibt es etwa 45 einsatzfähige Hunde, und mein Milo gehört seit Herbst 2010 dazu.

Wann kam Ihr erster Aufruf zu einem Einsatz?
Gleich nach dem gewaltigen Erdbeben in Japan, nachdem das offizielle Hilfegesuch aus Tokio in Bern eingetroffen war. Ich wurde alarmiert, machte mich bereit, und morgens um 3 Uhr kam das endgültige Aufgebot: 10 Uhr morgens im Flughafen Zürich. Wir alle verfügen immer über fertiges Gepäck. Es besteht aus einem Rollkoffer und einem grossen Rucksack. Darin befinden sich persönliche Gegenstände, Helm und Stiefel. Eingerückt wird im Kombi. Für den Einsatz in Japan mussten wir unsere Ausrüstung durch Lebensmittel für drei Tage, vier Liter Wasser und Hundefutter für eine Woche ergänzen. Unser Einsatz dauert in der Regel nicht länger, denn nach einer Woche schwindet leider die Wahrscheinlichkeit, Überlebende zu finden.

Haben Sie sich auch psychisch vorbereitet?
Ich wusste nicht genau, was mich erwartet. Wir waren eine kleine Delegation mit neun Hundeteams, insgesamt 23 Personen samt Führung, Arzt, Strahlungs-, Logistik- und Kommunikationsspezialisten. Nach der Landung in Tokio merkten wir noch nichts vom Erdbeben. In zwei Bussen fuhren wir auf einer gesperrten Autobahn 450 km nach Norden, noch weiter als Sendai. Auf einem Sportplatz wurden Zelte aufgebaut. Glücklicherweise hatten wir Lebensmittel mitgebracht, weil es nirgends etwas zu kaufen gab.

Frank Wirz
Innenarchitekt

Wie gestaltete sich der ­Rettungseinsatz?
Wir wurden von den japanischen Behörden einem Ort unweit des Meeres zugewiesen. Dort hatte sich gegen einen Hügelzug hin eine riesige Schutthalde aufgetürmt, mit Fischerbooten, Autos, sogar Häuschen. In diesem Gebiet setzten wir die Hunde ein und verzeichneten auch Anzeigen, die wir den Rettungskräften melden konnten. Milo bellt und scharrt, wenn er die Witterung lebender Menschen wahrnimmt. Dafür erhält er eine Belohnung – ob Training oder Einsatz macht keinen Unterschied. Auf den ungewohnten Geruch von Leichen reagieren die Hunde unterschiedlich, zum Beispiel mit Winseln.

Was empfanden Sie während der Arbeit?
Es war mein erster Einsatz. Für mich war es am schlimmsten, dass wir nirgends mehr Überlebende finden konnten. Deshalb war es umso bedrückender, dass immer wieder Anwohner kamen, die sich unter Tränen bei uns bedankten, dass wir angereist waren, um zu helfen. Diese Erinnerungen kommen noch täglich hoch und beschäftigen mich mehr als alles andere. Die schwierigen Umstände des Lagerlebens waren kein Problem, niemand hatte ein Hotel erwartet. Aber wir hatten gehofft, Überlebende zu finden, was uns im Einsatzgebiet leider nicht gelang. Wir konnten dafür mithelfen, der Schweiz ein sympathisches Image zu verleihen; ein japanisches TV-Team begleitete uns. Aber das war ja nicht unser eigentlicher Auftrag.

Würden Sie wieder einen ­Einsatz absolvieren?
Jederzeit. Jede Situation ist anders, und trainierte Hunde können wertvolle Hilfe leisten. Mein Milo ist ein toller Hund, er ist jetzt noch ungefähr drei Jahre einsatzfähig. Dann sehen wir weiter.