Sie sind für Unicef und weitere Hilfsorganisationen tätig und waren der erste Unicef-Botschafter der Schweiz. Wie kam es zu diesem Engagement?

Ich setze mich seit Jahrzehnten für einzelne Menschen und Hilfsorganisationen ein. Dies in der tiefen Überzeugung, dass es eine Pflicht ist, anderen Menschen zu helfen, wenn man dazu die gesellschaftlichen und materiellen Möglichkeiten hat. Als ich vor bald zehn Jahren von Unicef Schweiz angefragt wurde, mich als Botschafter für die Suche nach Spendengeldern und in der direkten Projektarbeit zur Verfügung zu stellen, war das die ideale Möglichkeit, mich auf die Zusammenarbeit mit einer Organisation zu konzentrieren, die als renommiertes Hilfswerk der Vereinten Nationen seit bald 70 Jahren vorbildliche Arbeit leistet.

Welche Bedeutung hat für Sie ganz persönlich das soziale und humanitäre Engagement?

Wir leben in einem Land, das uns dank der direkten Demokratie und dem wirtschaftlichen Erfolg fantastische Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben mit allen beruflichen Möglichkeiten bietet. Damit besteht aber auch für jeden einzelnen, der von diesem System profitiert, eine Verantwortung, im Rahmen seiner Möglichkeiten anderen zu helfen, denen diese Chancen nicht offenstehen. Man kann die Welt dadurch nicht verändern. Aber man kann durch sein Engagement dem Leben vieler Menschen neue Hoffnung geben und sie mit guten Projekten unterstützen.

Unicef ist weltweit tätig und unterstützt täglich Tausende von hilfsbedürftigen Kindern. Gibt es Projekte, die Ihnen ganz besonders am Herzen liegen?

Wenn Neugeborene durch infizierte Mütter bereits mit dem HI-Virus zur Welt kommen, geht ihre Kindheit zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat. Diesen tödlichen Kreislauf zu stoppen, ist eine der ganz wichtigen Aufgaben, für die sich Unicef engagiert. Dass die Mädchenbeschneidung zu einem internationalen Thema wurde und diese brutale Verstümmelung heute nicht mehr totgeschwiegen wird, ist ein Verdienst von Unicef. Wenn Regierungen, Guerillatruppen oder kriminelle Organisationen Kinder zu Soldaten machen, rauben sie ihnen nicht nur die Kindheit, sondern für den Rest ihres Lebens auch die Seele. Das alles sind Projekte, die auch mir besonders am Herzen liegen.

Sie sind viel im Ausland unterwegs. Mit welchen Gefühlen und Eindrücken kehren Sie jeweils zurück, wenn Sie für eine Hilfsorganisation im Einsatz waren?

Oft erschüttert, immer wieder unendlich wütend über den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit von Politikern und der Machtelite in vielen armen Ländern und gleichzeitig unendlich dankbar für die Situation, in der Kinder in unserem eigenen Land gross werden können.

Gibt es prägende Erlebnisse, die bei Ihnen haften geblieben sind?

Tief berührt hat mich die Situation in der Demokratischen Republik Kongo – einem Land, das eigentlich dank seiner Rohstoffe die besten Voraussetzungen hätte, der Armutsfalle zu entrinnen. Durch die Unfähigkeit, politische Stabilität zu schaffen, und die haltlose Korruption der Mächtigen herrscht dort sozusagen Anarchie. Ich war erschüttert über die Tatsache, dass hauptsächlich Mädchen und Frauen sich fast täglich vor Übergriffen und Vergewaltigungen fürchten müssen und Tausende von Kindern als Soldaten missbraucht werden.

Mit welchen Vorurteilen haben Sie speziell in der Schweiz zu kämpfen, wenn es um das Thema Spenden geht?

Es ist diese Angst, dass Spenden nicht dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Und die teilweise leider berechtigte Angst, dass das gespendete Geld irgendwo in einem grossen Verwaltungsapparat versandet. Davor schützen kann man sich nur, indem man die Hilfswerke sorgfältig aussucht, die man unterstützen will. Hellhörig sollten grosse Werbe- und Marketingaktionen von Organisationen machen. Unicef Schweiz setzt rund 80 Prozent der Spendeneinnahmen für die weltweiten Programme zugunsten von Kindern ein.

Was muss ich tun, wenn ich nachhaltig und bewusst spenden will?

Schon eine einmalige Spende ist eine willkommene Hilfe. Ich glaube aber, dass es ein Bewusstsein für die Notwendigkeit braucht, für diejenigen Menschen etwas zu tun, denen man langfristig eine Chance für ein menschenwürdiges Leben geben möchte. Da stehen für mich unbestritten die Kinder im Fokus. Ihnen, wo immer sie auch geboren wurden, die Möglichkeit zu geben, eine Schule zu besuchen und gesund, beschützt sowie in ihren Grundrechten respektiert aufzuwachsen, scheint mir schon fast eine Selbstverständlichkeit zu sein.