Besonders in den Entwicklungsländern haben es die staatlichen Institutionen (Rechtspflege, Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz) versäumt, die Menschenrechte zu schützen. Vielmehr haben die Institutionen selbst erheblich zur weit verbreiteten und tief verwurzelten Ungerechtigkeit in den asiatischen Ländern beigetragen. Somit sind alle Bürger die Betroffenen von institutioneller Rechtsverweigerung – vor allem aber die Armen. Zu dieser Erkenntnis kam ich bereits als Kind, als ich Zeuge der grausamen Behandlung der Menschen in meinem Dorf wurde. Die Bereitschaft der Menschen, darunter auch meine Eltern, gegen diese Ungerechtigkeiten zu kämpfen, hatte einen sehr grossen Einfluss auf mich. Noch bevor ich zehn Jahre alt wurde, begann ich mich intensiv mit diesen Problemstellungen auseinanderzusetzen. Denn die humanitären Impulse der Erwachsenen, die versuchten, etwas an der Situation zu ändern, inspirierten mich in Bezug darauf, was ich aus meinem Leben machen wollte.

Folter aufdecken

Die Organisation AHRC ist in zwölf asiatischen Ländern tätig und ihre Arbeit besteht aus mehreren Aspekten. Wir versuchen detailliert zu dokumentieren, was die verschiedenen Aufsichtsbehörden und rechtsstaatlichen Institutionen in der Praxis tun. Wir setzen uns beispielsweise damit auseinander, wie sich Polizeibeamte im Rahmen von kriminaltechnischen Untersuchungen und Kontrollen verhalten. So versuchen wir, in umfangreicher Arbeit, die Praktiken der polizeilichen Anwendung von Folter aufzudecken und einen aufgeklärten gesellschaftlichen Diskurs zu forcieren und langfristig gesehen, die institutionellen Folterpraktiken zu unterbinden.

Veränderungen gefordert

Diese Arbeit beinhaltet nicht nur die Interaktion mit einer grossen Zahl von Menschen sowie der Dokumentation ihrer Erfahrungen, sondern auch die psychologische Aufarbeitung der traumatisierenden Erfahrungen von Opfern. Zu diesem Zweck werden unsere  Erkenntnisse mithilfe medialer Veröffentlichungen durch die Presse begleitet, um das Bewusstsein für rechtswidriges Verhalten in staatlichen Institutionen einem breiten Publikum zugänglich zu machen und Veränderungen zu fordern. Der daraus resultierende kritische Diskurs soll innerhalb der Gesellschaft, in internationalen Menschenrechtsorganisationen bis hin zu den Vereinten Nationen stattfinden. Neben dem öffentlichen Diskurs bedarf es jedoch auch aktiver Änderungen in der Politik und Praxis. Daher versuchen wir, einen Beitrag zur Verbesserung der menschlichen und materiellen Ressourcen zu leisten. Während wir den anfänglichen Teil unserer Arbeit ganz erfolgreich und sogar über unsere Erwartungen hinaus getan haben, wird die Aufgabe, unsere Arbeit auszubreiten, durch unsere beschränkten Mittel gehindert.

Institutionsreformen

Um die institutionellen Reformen in den Entwicklungsländern zu einem Thema von hoher Priorität zu machen, sollten die Industrieländer beginnen, sich aktiv an dem Diskurs und den Veränderungen zu beteiligen. Grössere Mittel für Institutionsreformen können nur kommen, wenn mehr westliche Länder beginnen, sich ernsthaft mit der Situation der institutionellen Missstände in Entwicklungsländern zu befassen. Denn nur so nehmen wir aktiv an einer Änderung der Politik und Methoden teil, damit die internationalen Hilfsprogramme langfristig zu konkreten Verbesserungen der Gerechtigkeit in Entwicklungsländern führen.