Was ging im Augenblick der Diagnose in Ihnen vor?

Ina Franke: Zuerst dachte ich an meinen Mann. Ich wollte stark sein für ihn. Dann folgte Todesangst, denn damals glaubte ich, Leukämie sei gleichbedeutend mit Tod.

Anfänglich glaubte der Arzt an Burn-out. Sind Sie sauer?

Durch die falsche Diagnose wurde kostbare Zeit verschenkt und das hätte beinahe mein Leben gekostet. Schon anfangs zweifelte ich an dieser Diagnose. Ich war sehr wütend.

Schon bald erhielten Sie Ihre erste Chemotherapie.

Das war sehr schlimm. Ich litt unter vielen Nebenwirkungen. Danach erholte ich mich gut. Ich glaubte, die Krankheit besiegt zu haben, plante meinen Wiedereinstieg ins Berufsleben. Doch plötzlich war der Krebs zurück.

Also entschieden Sie sich für eine Blut-Stammzellen-Transplantation?

Das war keine leichte Entscheidung. Ich wusste um die vielen Risiken einer Transplantation und hatte Angst, das Spital nie mehr lebend zu verlassen. Ich war dem Spender unglaublich dankbar, denn diese Blutstammzellen gaben mir Hoffnung auf ein neues Leben. Während die fremden Blutstammzellen in meine Adern flossen, zitterte ich wie Espenlaub, redete den Zellen gut zu.

Doch gut zureden half nicht. Sie litten unter Abstossreaktionen.

Das ist leider wahr. Meine Haut, Leber und Lunge waren betroffen. Ich erlitt Herzinfarkte und zweimal einen Pneumothorax. Vor zwei Jahren folgten dann auch noch Operationen an der Lunge, da ein Pilz ein grosses Loch in den Lungenflügel gefressen hatte.

All das haben Sie überlebt. Sie leben. Wie?

Seit fünf Jahren ist die Leukämie besiegt. Ich leide immer noch unter den Folgeerscheinungen der Transplantation. Aber ich bin glücklich, dass ich lebe. Sofern es mein Gesundheitszustand zulässt, engagiere ich mich im Vorstand der Patientenorganisation «Schweizerische Vereinigung Blutstammzellen-Transplantierter». Ich möchte die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen und sie motivieren, sich als Blutstammzell-Spender registrieren zu lassen. Die Angst, der Krebs könne zurückkehren, werde ich wohl nie los. Doch ich bin zuversichtlich. Ich will kämpfen. Ich will leben. Und dank Gott und einem anonymen Spender kann ich das.