Als SOS-Kinderdorf-Botschafterin hat die frühere Skirennfahrerin Maria Walliser das SOS-Kinderdorf Harar in Äthiopien besucht. Dabei konnte sie sich vor Ort von der wichtigen Arbeit des weltweiten Kinderhilfswerks überzeugen. «Ich war Skirennfahrerin», begrüsste Maria Walliser die Kinder und hebt ein Foto in die Höhe, auf dem sie tief in der Hocke einen Steilhang hinunterrast. Die 40 Fünftklässlerinnen und Fünftklässler schauen sie mit grossen Augen an. Schnee haben die Kinder hier in Harar, einer Stadt im Osten Äthiopiens, noch nie gesehen. Und was Skifahren ist, können sie sich auch nicht vorstellen. Erst als die mehrfache Goldmedaillengewinnerin weitere Bilder hervornimmt und den Vergleich mit Haile Gebrselassie, dem äthiopischen Marathonläufer, Weltmeister und Olympiasieger, anstellt, beginnen die Kinder zu strahlen.

Tänze und Lieder
Für ein Gespräch über eine fremde Sportart reicht der Wortschatz der Kinder noch nicht aus. Aber das ist kein Problem: Maria Walliser setzt sich an die Pulte der Schüler, schaut ihnen beim Vorlesen über die Schulter und plaudert ungezwungen über den Alltag und die Familien der Kinder. Diese können nicht anders als sich wohl fühlen, wenn die SOS-Kinderdorf-Botschafterin sie anlächelt oder einem Mädchen übers Haar streicht und sagt: «Geniesse es, zu lernen!». Besonders gut gefällt ihr der Musikunterricht. Dass sie der Klasse ein Lied auf dem Klavier vorspielt, wird ihr doppelt vergolten: Mit dem SOS-Kinderdorf-Lied, das alle Kinder aus voller Brust singen, während der Lehrer sie auf der elektrischen Orgel begleitet. Und einem traditionellen Tanz. Drei Mädchen in ihren hellblauen Schuluniformen und den gelben Blusen tanzen vor der Klasse, während die andern begeistert klatschen. Es dauert nicht lange und drei Buben stürmen nach vorn, um mitzutanzen. Selbst der Lehrer in seinem weissen Kittel kann nicht an sich halten und schwingt im Hintergrund seine Hüfte. «Das ist unglaublich lässig», findet Maria Walliser am Schluss und klatscht laut Beifall.

Beste Schule der Region
Gut 900 Schülerinnen und Schüler besuchen die erste bis zwölfte Klasse der Hermann-Gmeiner-Schule, die als beste Schule der Region gilt. Jahr für Jahr gewinnt sie staatliche Preise für ihre Leistungen, und viele der Schulabgänger studieren an den besten Universitäten Afrikas oder in Europa und den USA. Ebenso wie der Kindergarten mit seinen 200 Kleinkindern zwischen drei und sechs Jahren ist die Schule nicht nur für die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf geöffnet, sondern auch für diejenigen aus der Umgebung. 142 Kinder stammen aus dem Kinderdorf, 768 kommen von auswärts.

Kindern eine Zukunft geben
Maria Walliser, die im Dezember 2011 eine knappe Woche in Äthiopien verbracht hat, ist begeistert: «Beide Strukturen, die Familienhäuser in den SOS-Kinderdörfern und die Schulbildung, laufen ineinander, um den Kindern
eine Zukunft zu schenken.» Besonders beeindruckt ist sie davon, dass die
Mütter im Zentrum stehen. «Mir gefallen die grossen Familien mit ihren Müttern und Tanten», sagt sie. «Diese Frauen, die mehrere Kinder betreuen, sind nicht nur Heldinnen, sie sind auch Managerinnen.»