Vor vier Jahren hat *Brigitte Keller (45) die Diagnose MS erhalten. Während der akuten Phasen leidet sie unter starken Schmerzen. Zusätzlich schränken sie Gehschwierigkeiten ein. «Es ist nicht einfach, mit den Problemen umzugehen, sei es mit der Erkrankung selber oder den Folgen der medikamentösen Behandlung», sagt Brigitte Keller. Aufgrund der Erkrankung sind bei ihr auch das Familienleben und die beiden Kinder stark betroffen. Die 45-Jährige leidet neben den Schmerzen unter einer chronischen Müdigkeit. «Hinzu kommt die Angst, weil man nie weiss, in welcher Form der nächste Schub der Krankheit erfolgt.» Sie sei von Natur aus eine starke Persönlichkeit, sagt Brigitte Keller. Die Krankheit mache ihr aber bewusst, dass sie oft keine andere Wahl habe, als ihre Mitmenschen um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

Pflegende Angehörige

«Multiple Sklerose verändert das Leben eines Menschen und dasjenige der Angehörigen und nahestehender Personen radikal», betont Susanne Kägi, Bereichsleiterin des MS-Infozentrums bei der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft. Die entzündliche Erkrankung des Nervensystems kann schwere Beeinträchtigungen hervorrufen. Über 10 000 Menschen sind in der Schweiz von der chronischen und unheilbaren Krankheit betroffen. Bei 80 Prozent der Erkrankten zeigen sich die ersten Symptome im Alter von 20 bis 40 Jahren. Wichtig sei nicht nur die Pflege und Betreuung der MS-Betroffenen, sondern auch die umfassende Unterstützung der Angehörigen und Begleitpersonen, sagt Kägi. So werden pflegende Angehörige von der MS-Gesellschaft zu Gruppentreffen eingeladen. «Hier finden die Partnerinnen und Partner von MS-Erkrankten Zeit und Gelegenheit, sich auf ihre eigenen Bedürfnisse zu besinnen und Kraft zu tanken», erläutert Susanne Kägi. Ohne Unterstützung und Begleitung besteht die Gefahr, dass pflegende Angehörige zunehmend an Erschöpfungssyndromen leiden, oft verbunden mit depressiven Verstimmungen.

Grosse Herausforderung

Die genaue Ursache von MS ist trotz intensiver Forschung nach wie vor nicht bekannt. Unter anderem wird in Fachkreisen auch ein Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Einflüssen durch Umweltfaktoren diskutiert. Die Krankheit manifestiert sich durch vielfache Symptome und Behinderungen, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Die Störungen betreffen verschiedene Körperfunktionen wie zum Beispiel das Sehvermögen und den Gleichgewichtssinn. Auftreten können auch Lähmungen an Beinen, Armen und Händen, Schmerzen sowie Blasen- und Darmstörungen. Viele MS-Betroffene leiden zusätzlich unter grosser Müdigkeit, Sensibilitätsstörungen und Konzentrationsschwächen. «Es gibt bei mir bessere, aber auch schlechtere Tage», berichtet Brigitte Keller.

«Multiple Sklerose verändert das Leben eines Menschen und dasjenige der Angehörigen und nahestehender Personen radikal.»

Eine grosse Herausforderung ist für sie die Behandlung der Erkrankung, aber auch die Unsicherheit, wie es weitergehen soll und die chronische Ermüdung. Das alles seien unterdessen Konstanten, mit denen sie lernen müsse zu leben und die sie versuche zu akzeptieren, sagt die 45-Jährige. «Es gibt immer wieder Phasen, bei denen ich das Gefühl habe, dass meine MS-Diagnose mein eigenes Leben, aber auch dasjenige meiner Familie zerstört hat.» Mit ihrem Mann, aber auch mit nahestehenden Personen diskutiere sie regelmässig solche Konflikte. Oft habe sie das Gefühl, ihr fehle die Zeit für alles. «Dennoch versuchen wir, die Schwierigkeiten im Alltag so gut wie möglich zu bewältigen.» Grosse Hoffnungen setzt Brigitte Keller in neue Medikamente und Therapien. Dabei kann sie auch auf die Unterstützung durch die MS-Gesellschaft zählen. Diese strebt vier Hauptziele an: Eine grösstmögliche Selbstständigkeit der MS-Betroffenen, die Förderung und Unterstützung der MS-Forschung, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit der Institutionen und Fachleute, die MS-Betroffene begleiten.

* Name von der Redaktion geändert.