Roger Federer, seit über zehn Jahren engagiert sich Ihre Stiftung dafür, dass Kinder im südlichen Afrika eine Chance auf gute Bildung erhalten. Weshalb legen Sie den Fokus ausgerechnet auf die Bildung?

Unser Stiftungszeck ist die Förderung von Kindern in Armut, damit sie ihr Potenzial nutzen können. Und wir glauben, dass wir dies am besten erreichen, indem wir für eine gute Qualität von Bildung sorgen.

Meine Reisen in die südafrikanische Heimat meiner Mutter haben meinen Blick dafür sicher noch geschärft

Es gibt aber noch weitere Gründe, weshalb wir auf Bildung setzen: Bildung ist ein Menschenrecht, Bildung reduziert die Armut, Bildung macht gesund und Bildung stärkt die gesellschaftliche Verantwortung.

Doch leider haben nicht alle Kinder gleichermassen Zugang zu qualitativ überzeugender Bildung. Dort setzen wir an und versuchen mit unseren Programmen, die Bildungsqualität an Primarschulen und Kindergärten messbar zu erhöhen.

Wann entstand die Idee, eine Stiftung zu gründen?

Die Idee, mich gemeinnützig zu engagieren, hatte ich bereits als Teenager. Es war mir relativ früh bewusst, dass nicht alle so privilegiert aufwachsen können wie ich. Meine Reisen in die südafrikanische Heimat meiner Mutter haben meinen Blick dafür sicher noch geschärft.

Die geeignete Form für mein Engagement zu finden, war nicht ganz einfach. Denn es gäbe ja viele Möglichkeiten, wie man sich einsetzen könnte. Mir war aber wichtig, dass ich nicht nur meinen Namen hergebe, sondern sowohl betreffend Qualität als auch Ausrichtung mitbestimmen kann.

Dieser Wunsch führte dann zur Gründung der Roger Federer Foundation im Jahr 2003. Nun bürge ich als aktiver Stiftungsratspräsident für die Wirksamkeit unseres Engagements und entscheide alle wichtigen Schritte mit. Dies ist eine grosse Verantwortung, aber auch ein inspirierender Lernprozess.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen neben Ihrer sportlichen Karriere für Ihr soziales Engagement?

Dies ist nicht eine Frage der Zeit, sondern, dass und wie man sich Zeit nimmt. Mein Terminplan ist übervoll, doch haben die mir wichtigen Dinge wie meine Stiftung Priorität. Dafür muss Zeit gefunden werden.

Wir setzen uns mindestens drei Mal jährlich im Stiftungsrat zusammen, um die strategischen Entscheide vorzunehmen. Dazwischen tausche ich mich mit dem Management der Stiftung regelmässig aus und versuche, auch die Programme regelmässig zu besuchen, um ein Gefühl für unser Wirken vor Ort zu entwickeln.

Sieht man, dass die Spenden wirken und sich das Leben der Kinder positiv verändert?

Wenn ich eine der von uns unterstützten Schulen besuche, dann sehe ich natürlich lachende Gesichter, motivierte Lehrer oder kinderfreundliche Klassenzimmer. Doch dies reicht uns nicht als Wirksamkeitskontrolle.

Wir wollen messbar die Bildungsqualität der Kinder zum Besseren verändern, und dies können wir anhand verschiedener Indikatoren überprüfen. Beispielsweise erfassen wir die Anzahl Kinder am Anfang und am Ende einer Intervention.

Wir führen Buch über die Absenz- oder Schulabbruchraten. Auch die Repetitionsraten geben Aufschluss über das Bildungsniveau in einer Klasse. Und in allen Schulen Afrikas werden jährlich Examen durchgeführt, welche uns zeigen, wie sich die Leistungen der Schüler entwickeln.

Welchen Weg zur Spende empfehlen Sie vorzugsweise?

Da fühle ich mich nicht als Experte für eine Empfehlung. Trotzdem möchte ich jedem Spender einfach ans Herz legen, sich darum zu kümmern, wie das Geld verwendet wird, und sich vor der Spende einen Eindruck zu verschaffen, ob die bedachte Organisation seriös arbeitet und ihre Programme auch wirkungsvoll ausrichtet.