Brasiliens Kampf gegen die Armut zeigt erste Erfolge

In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von Sozialprogrammen lanciert, welche die Armut im Land teilweise erfolgreich verringern konnten. Um die Ursachen der sozialen Ungleichheit bekämpfen zu können, sind aber weitere grundlegende Veränderungen insbesondere im öffentlichen Bildungssystem nötig. Es müssen reelle Chancen für den sozialen Aufstieg geschaffen werden. Hier steht nicht nur die schulische Ausbildung im Fokus, sondern auch die berufliche Bildung Jugendlicher.

Prekäre Verhältnisse in Schulen

Nur schon das tägliche Leben ist für Kinder aus brasilianischen Slums alles andere als einfach. Prekäre und schwierige Familienverhältnisse treiben viele auf die Strasse, wo sie Kriminalität und Gewalt ausgesetzt sind. Der hohe Kinderanteil in Brasilien führt dazu, dass die öffentlichen Schulen hoffnungslos überfüllt sind, und das Fehlen einer angemessenen Infrastruktur und motivierter, qualifizierter Lehrkräfte führt zu Qualitätsmängeln in den Staatsschulen.

Der Schulunterricht findet unter prekären Verhältnissen statt und bietet pro Klasse mit bis zu 45 Schülern pro Tag nur rund fünf Unterrichtsstunden an. Wegen des Platzmangels in den Schulen besteht auch keine Schulpflicht, sondern nur ein Schulrecht. Infolge fehlender finanzieller Mittel werden nur die elementarsten Fächer unterrichtet.

Die Jugendlichen in den Agglomerationen der grossen Städte besuchen die öffentliche Schule vielfach nur unregelmässig oder verlassen bereits die Grundschule.

Der Unterricht bietet pro Klasse mit bis zu 45 Schülern pro Tag nur rund fünf Unterrichtsstunden an.

Schüler arbeiten bereits

Viele Jugendliche in Brasilien besuchen heute Abendkurse. Dabei handelt es sich um bereits berufstätige junge Erwachsene, die fast ausschliesslich aus den unteren sozialen Schichten stammen. Ihre prekäre Lernsituation, nach einem Voll-Arbeitstag noch Abendkurse in überfüllten Klassen zu besuchen, verstärkt zusätzlich die Ungleichheit der Chancen.

Statistiken zeigen, dass ein Drittel der Schüler der vierten Klasse und fast die Hälfte der achten Klasse sowie des letzten Jahres der mittleren Bildung arbeiten, um das Familieneinkommen zu verbessern. Von den Schülern des dritten Jahres der mittleren Bildung, deren Leistungsstand als kritisch eingestuft wird, besuchen sogar 76 Prozent den Abendunterricht, das heisst, sie gehen tagsüber einer Beschäftigung nach.

Staatliche Ausbildungsstätten

Für Jugendliche, welche nur die brasilianische Staatsschule absolviert haben, ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt nach wie vor praktisch unmöglich. Ihre schulische Bildung weist zu viele Mängel auf und sie verfügen deshalb nicht über die entsprechenden Kompetenzen, die sie für eine Berufsausbildung befähigen.

Konkrete Projekte in Brasilien wollen die soziale Integration von Kindern durch Schulung fördern sowie eine berufliche Vermittelbarkeit von Jugendlichen durch eine Berufslehre und ausserschulische Weiterbildungskurse ermöglichen. Abhilfe schaffen hier auch staatliche Ausbildungsstätten, in denen Jugendliche ein Basiswissen für den Einstieg in einen Beruf erhalten.