Was wissen wir schon über Somalia? Es wird assoziiert mit rücksichtslosen Piraten. Im Kino machten die ausgemergelten Gestalten dem von Tom Hanks verkörperten Schiffskapitän das Leben schwer.

Und sonst? Gemäss Angaben der Vereinten Nationen (UN) wird das Land von seiner grössten Dürre-Krise seit 1945 getroffen. Doch Meldungen über Dürre und Hunger beherrschen längst nicht mehr die Hauptschlagzeilen. Da werden Nachrichten, dass das Land am Horn von Afrika nun auch noch von der Cholera heimgesucht wird, nur noch am Rand zur Kenntnis genommen. 

Die Zahl der Cholera-Opfer wächst. Experten bezeichnen die Sterberate als doppelt so hoch wie normal. Nach Auskünften des somalischen Gesundheitsministeriums sind insbesondere Frauen und Kinder betroffen. 18000 Menschen werden wegen der Epidemie im Krankenhaus behandelt. Hilfsorganisationen organisieren die grösste Schluckimpfungskampagne in der Geschichte des Landes.

Die Cholera breitet sich schnell aus – in wenigen Wochen haben sich in diesem Jahr 15000 Menschen angesteckt, so viele wie im ganzen Jahr 2016. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 7 Hochrisikoregionen ermittelt, in denen 350 mobile Impfteams unterwegs sind. Gemäss der somalischen Regierung seien 60 Gesundheitsteams landesweit im Einsatz.

Die Dürre sorgt für Unterernährung, womit die Menschen ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Infektionskrankheit einbüssen. Wasser und Sanitäranlagen tuen not. In den Städten stauen sich Ströme von Binnenflüchtlingen, denen das Wasser ausgegangen ist.

In vielen Fällen handelt es sich um Nomaden, die ihre verhungernden Herden aufgeben mussten, nun vor dem Nichts stehen. 75 Prozent der Bevölkerung leben vom Vieh, das wegen des ausbleibenden Regens zu Tausenden verendet.

Der Spendenaufruf der Glückskette hat in der Schweiz 8,76 Millionen Franken für die Notleidenden von Afrika zusammengebracht. Hungersnöte sind seltener geworden, weil früher eingegriffen wird. Das wird jedoch erschwert, wenn im Land ein bewaffneter Konflikt herrscht.