Somaly Mam wuchs in Armut und als Mitglied einer ethnischen Minderheit in einer Provinz Kambodschas auf. Als Kind wurde sie von ihrer Familie aufgrund auswegsloser Armut an Kinderhändler verkauft. Sie landete in einem Bordell und lebte dort jahrelang als minderjährige Sexsklavin unter schlimmsten Bedingungen. Nach vielen Jahren der sexuellen Ausbeutung gelang ihr die Flucht. Heute setzt sich Somaly Mam für Opfer von sexueller Ausbeutung ein. Unter dem unvorstellbaren Schicksal, dem Mam entkommen konnte, leiden heute schätzungsweise über zwei Millionen Kinder.

Zusätzliche Gefahr durchs Internet
Die Kombination von grosser Armut der lokalen Bevölkerung und Tourismus verstärke die Gefahr von sexueller Ausbeutung von Kindern. «Stark betroffen sind Destinationen in Südostasien und Südasien, Kenia, Brasilien und der Dominikanische Republik», sagt Talia Bongni Sheikh von der Stiftung Kinderschutz Schweiz. Die Zunahme der Pädokriminalität im Internet birgt zusätzliche Gefahren. «Die Notlage und Armut der Familien in Ferienorten wird ausgenutzt, die Misshandlungen der Kinder werden auf Bildern festgehalten, die im Internet verkauft oder getauscht werden», so Bongni.

Nicht immer pädophil
Obschon die strafrechtliche Verfolgung im Ausland sehr schwierig ist, verletzt sexuelle Ausbeutung eines Kindes auch im Ausland die Menschenrechte. Die rechtliche Situation erlaubt es auch, Täter in der Schweiz zu verurteilen, die sich im Ausland Sex mit Kindern erkauften. Schätzungen der Fachstelle ECPAT zufolge müsse man mit rund 4000 Schweizer Kindersextouristen rechnen. Nur in einigen Fällen hätten die Täter pädophile Neigungen. «Mehrheitlich sind es Männer, die zuhause ein unauffälliges Leben führen. In den Ferien suchen sie einen besonderen Kick, fern von zu Hause in der Anonymität einer Touristendestination», erklärt Bongni. Diese Gelegenheitstäter würden sich einreden, dass das Kind älter ist, als es aussieht oder dass sie durch die «Bezahlung» sogar etwas Gutes für es täten.

Nicht wegsehen
Kinderschutz Schweiz arbeitet deshalb eng mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, dem Bundesamt für Polizei und einigen Grössen der Tourismusbranche zusammen. Gemeinsam mit dem SECO und der Bundespolizei fedpol wurde eine Sensibilisierungskampagne unter dem Titel «Nicht wegsehen – www.stopchildsextourism.ch» lanciert. «Wir informieren die Öffentlichkeit über das Thema Kinderschutz und Tourismus. Zudem werden Reisende ermutigt, die Augen offen zu halten und einen Verdacht auf Kindersextourismus zu melden», sagt Bongni.