Einst trug Kambodscha den Übernamen «Schweiz Südostasiens». Doch die Zeiten des hohen Lebensstandards kommen so schnell auch nicht wieder. Man darf sich von beeindruckenden Zahlen des Wirtschaftswachstums nicht täuschen lassen: Kambodscha kann kaum seine 15 Millionen Einwohner ernähren.

30 Prozent leben unter der Armutsgrenze. Gleich ausserhalb der Zentren, wo heute wieder Touristenhotels gebaut werden, lagern die Obdachlosen.

Seit 1953, seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Frankreich, tobten Bürgerkriege, denen mit dem Vietnamkrieg nur weitere Kämpfe folgten. Den Höhepunkt von Tod, Zerstörung und Vertreibung erlebte das Land während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, von 1975 bis 1979.

Viele Gebiete sind heute noch von Landminen verseucht. Die Nebenwirkungen von chemischer Kriegsführung haben Narben hinterlassen – auf den Menschen ebenso wie auf dem Land.

1991 schlossen die vier Bürgerkriegsparteien einen Friedensvertrag. Seit 2004 sitzt Norodom Sihamoni auf dem Thron. Die Innenpolitik ist stabilisiert, die Kriminalität zurückgegangen. Touristen besuchen wieder die Ruinen der Tempelanlage von Angkor, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Textilproduktion ist das Rückgrat der brummenden Volkswirtschaft.

Alles klingt danach, dass Kambodscha sich wieder nach oben kämpft. Der Schein täuscht. Die ländlichen Gebiete bleiben unterentwickelt. Die Bauern verteidigen ihre kleinen Erträge gegen Umweltkatastrophen und Umweltschäden durch illegale Abholzung. Wer es nicht schafft, zieht in die Stadt. Und es sieht danach aus, dass das Königreich in Südostasien die politischen Gewinne der letzten Jahre verspielt. 

Seit 2004 kritisieren die Vereinten Nationen das Schwinden der Demokratie. Die UN-Menschenrechtskommission zeigt massive Behinderungen der Justiz auf. Vor allem ein altbekanntes Problem verhindert den Fortschritt: Korruption. Sie durchdringt jeden Bereich der Staatsbetriebe – auch die medizinische Versorgung.

Die Lebenserwartung beläuft sich auf unter 60 Jahre. Die Kindersterblichkeit ist hoch. Die UNICEF schätzt, dass in Kambodscha 670000 Waisenkinder leben. Das Durchschnittsalter beträgt 21 Jahre.

Zwar ist der Krieg vorbei. Doch die Armut ist geblieben. Bis heute hat es das Land nicht geschafft, eine funktionierende Infrastruktur im Gesundheits- und Bildungswesen zu installieren. Damit ist die Zukunft der vielen jungen Menschen gefährdet. Aus der Hauptstadt wachsen Wolkenkratzer. Doch die Vororte bestehen aus Slums.