Was wissen wir schon über Äthiopien? Für viele ist der bitterarme Staat am Horn von Afrika vor allem das Land, für das sich Karlheinz Böhm so beherzt mit seinem Spendenaufruf in der Fernsehshow «Wetten, dass ...?» einsetzte. Seit Anfang der Achtzigerjahre sorgte der Schauspieler mit seiner Stiftung Menschen für Menschen dafür, dass Äthiopien in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit in der Schweiz drang. Immer wieder ist das Land mit schweren Trockenzeiten konfrontiert. Aktuell herrscht die schlimmste Dürre seit einem halben Jahrhundert. Ernten fallen aus, das Vieh verhungert und verdurstet. Viele Familien haben mit dem Vieh ihre hauptsächliche Lebensgrundlage verloren. 5,6 Millionen Menschen sind auf Nothilfe angewiesen.

 

Doch auch ohne Dürre-Not gehören Mangel und Hunger für unzählige Familien zum Alltag. Die strukturellen Probleme sind tiefgreifend: Die Bevölkerung wächst, die althergebrachte Landwirtschaft mit Ochsenpflügen wie vor hunderten von Jahren kann die Menschen nicht mehr ernähren. Die Felder sind übernutzt und die globale Erwärmung verstärkt Bodenerosion und Ernteausfälle. In manchen Regionen verfügen die Familien sechs Monate im Jahr nicht über genug Nahrung. Sie müssen täglich Mahlzeiten ausfallen lassen – und damit die Gesundheit und Entwicklung ihrer Kinder gefährden.

 

Lebensmittellieferungen verschaffen kurzfristige Linderung in der akuten Dürre. Langfristig braucht es aber nachhaltige Landwirtschaftsprogramme. Denn acht von zehn Äthiopiern leben als Bauern in den Weiten des Landes. Wenn sie ihre Familien nicht mehr ernähren können, ziehen sie als Armutsflüchtlinge in die Städte. Bereits heute kommen jeden Tag Tausende Zuzügler in den Slums der äthiopischen Städte an.

 

Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und Hilfswerke sehen deshalb einen Ausweg aus der Ernährungskrise im Aufbau einer an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft: Die Kleinbauern erhalten vielfältige Schulungen und Inputs wie besseres Saatgut und leistungsfähigeres Vieh, um langfristig unabhängig zu werden von fremder Hilfe.