Armut ist ein relativer Begriff. Die Weltbank definiert Arme als solche, die weniger als einen Dollar am Tag zum Leben haben. Solche Abgründe gibt es in der Schweiz nicht – was aber nicht bedeutet, dass hierzulande gar keine Armut existiert. «Wer in der Schweiz am Sozialhilfe-Existenzminimum lebt, ist arm», meint Christoph Sommer, Sozialarbeiter FH und Leiter der Christlichen Anlaufstelle für Soziale Anliegen (C.A.S.A.) der Heilsarmee in Winterthur. In diese Gruppe fallen  neben Sozialhilfebeziehenden häufig auch IV-Beziehende, Arbeitslose, Alleinerziehende und die Working Poors.

Anstieg der Sozialhilfe-Fälle?

Die Anzahl dieser Armen in der Schweiz wird in der Zukunft weiter ansteigen, ist sich Sommer sicher: «Die Armutsproblematik wird durch die Revision der Arbeitslosenversicherung verschärft, da diese die Anzahl Taggelder reduziert und einzelne Personen früher aussteuert.» Sommer befürchtet auch, dass die IV-Revision zu einem Anstieg der Sozialhilfe-Fälle führen wird: «Mit der neuen Revision kann von einem Tag auf den nächsten jemand gesund gesprochen werden – diese Personen müssen dann einen Weg zurück in den Arbeitsmarkt finden, was mit dem Label sehr schwierig sein kann.»

Helfen hilft

Um den armutsbetroffenen Personen zu helfen, ist als Ergänzung zur staatlichen Hilfe eine administrative oder beratende Unterstützung durch Hilfswerke wichtig. «Die Ressourcen auf den Sozialämtern sind häufig so klein, dass längere Gespräche kaum möglich sind», sagt Sommer. «Hier können wir  von der Heilsarmee C.A.S.A. aushelfen, zuhören und unterstützen – und sei es nur beim Ausfüllen von Formularen.»