Mit einer früh einsetzenden Intensivbehandlung inklusive Familienentlastung kann man betroffenen Kindern eine wichtige Weiche auf ihrem Lebensweg stellen und ihren Eintritt ins Regelsystem ermöglichen.

Autismus hat verschiedene Ausprägungen. Man unterscheidet Formen wie frühkindlichen Autismus, Asperger-Syndrom oder atypischen Autismus. Diese sind mit weiteren Erkrankungen, die mit einer Veränderung in der Kommunikation/Sprachentwicklung, der sozialen Interaktion und dem veränderten Spielverhalten verbunden sind, in der Gruppe der Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) zusammengefasst.

Lehrmittel für eine intensive Förderung

Bei Kindern wie auch Erwachsenen gibt es, den unterschiedlichen Ausdrucksweisen der Erkrankung entsprechend, diverse Förderangebote. «Viel Erfahrung existiert im Bereich der Verhaltenstherapie, Sozial-Kompetenz-Trainings beziehungsweise diversen autismusspezifischen Konzepten», weiss Dr. med. Bettina Tillmann, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Leiterin Autismuszentrum der GSR (Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen). Die Fachliteratur ist sich einig, dass Kinder mit ASS so früh und intensiv wie möglich gefördert werden sollen, um die vor allem in den ersten Lebensjahren bestehenden guten Lernpotentiale zu nutzen. «Als Grundlage für die frühkindliche Förderung setzen wir die heilpädagogische Früherziehung ein, ergänzt durch Logopädie und Ergotherapie. In allen Bereichen werden autismusspezifische Konzepte angewandt. Grundlagen sind etwa TEACCH und PECS* sowie zahlreiche Konzepte, die sich mit dem speziellen Spielverhalten von Kindern mit ASS auseinandersetzen. Die Kinder erhalten anfangs Einzeltherapien und im Lauf der Intensivbehandlung innerhalb eines Jahres zunehmend Gruppenangebote. Die nötige Intensität kann derzeit nur in fünf Zentren der Schweiz geboten werden», so die Expertin.

Betroffene und Angehörige entlasten

Zwei Drittel der Kinder kommen ohne Sprache ins Autismuszentrum. Kinder, die für ihre Umwelt nicht verständlich kommunizieren, entwickeln laut Tillmann oft weitere Verhaltensmuster wie Aggression oder Rückzug, die sich auf ihre Entwicklung negativ auswirken und für Aussenstehende belastend sind. «Eltern sind oft sehr traurig, dass sie keine befriedigende Form der Kommunikation mit ihrem Kind haben. Sie sind besorgt, ob es Anschluss an andere Kinder findet oder selbstständig werden kann», weiss Tillmann. Deshalb ist es wichtig, die Familien der Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung zu entlasten. «In der GSR wenden wir in der Familienbegleitung beispielsweise videobasierte Konzepte an. Eltern und andere Nahestehende sind in die Förderung in verschiedener Weise involviert. Dadurch gelingt es, den Transfer des Gelernten nach Hause und in andere Institutionen sicherzustellen», so Tillmann.

*Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children und Picture Exchange Communication System