Längst sind Schuhe nicht nur zu einem Modeobjekt geworden, sondern auch zu einem Wegwerfprodukt. Sie werden zu Discounterpreisen angeboten und nur noch selten repariert. Wir als Konsumenten können Schuhe nur deshalb so billig kaufen, weil andere dafür einen hohen Preis bezahlen: mit gesundheitsgefährdender Arbeit, mit unbezahlten Überstunden, mit einem Leben in Armut.

 

In Billiglohnländer ausgelagert

 

Mehr als sechs Paar Schuhe kaufen Herr und Frau Schweizer pro Jahr. Produziert werden sie hauptsächlich in Asien. Doch so eindeutig lässt sich die Herkunft oft nicht eruieren. Wie bei der Kleiderproduktion werden verschiedene Produktionsschritte in zahlreichen Ländern weltweit ausgeführt. Die arbeitsintensiven, repetitiven und wenig lukrativen Arbeitsschritte wie Zuschneiden, Nähen oder Kleben werden an Unterlieferanten in Billiglohnländern ausgelagert.

Die Mindestlöhne in der Schuhindustrie gehören in fast allen Ländern zu den tiefsten und reichen kaum zum Leben. In der Schuhindustrie sind Arbeiterinnen und Arbeiter zudem gesundheitsgefährdenden Chemikalien ausgesetzt.

Der Einsatz von Klebstoffen und Reinigungsmitteln führt häufig zu Vergiftungen. Bei den Verarbeitungsprozessen werden giftige Dämpfe freigesetzt. Arbeiterinnen wird davon schwindlig, sie kriegen Hustenattacken oder müssen sich übergeben.

Kein Wunder leiden sie häufig unter Atemwegsbeschwerden und Asthma. Kommt hinzu, dass die Arbeitsumgebung laut und staubig ist. Regelmässig kommt es zudem zu Unfällen an den alten Maschinen, und längst nicht immer wird die nötige Arbeitsschutzbekleidung zur Verfügung gestellt.

 

Wenig Transparenz

Die Arbeit in der Schuhindustrie ist geprägt von langen Arbeitstagen und regelmässigen Überstunden. Auch dort, wo die Beschäftigten nicht zu Überstunden verpflichtet werden, müssen sie diese oftmals leisten, um private Schulden abzuzahlen. Der Mindestlohn wird auf das Konto der Arbeiterinnen überwiesen, darüber hinaus gehende Stunden werden bar vergütet. Kurzzeitig betrachtet kann das attraktiv sein.

Auf die Dauer entgehen den Beschäftigten jedoch wertvolle Einzahlungen in die Renten- und Sozialversicherungen. Die Schuhbranche steht bei der Transparenz noch ganz am Anfang: Die Lieferketten sind komplex und undurchsichtig. Viele Arbeiten werden von Sub-Unternehmen ausgeführt, öffentlich zugängliche Informationen zur Anzahl Beschäftigter, zu Produktionsländern, Löhnen und Arbeitsbedingungen sind kaum vorhanden.

 

Gesetze auch durchsetzen

Von der Ledergerbung bis zum Einziehen der Schuhbändel kommt es in der Schuhproduktion zu Menschenrechtsverletzungen. Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern erhalten Löhne, von denen sie nicht leben können und sie ruinieren oftmals ihre Gesundheit.

Menschenrechtsvertreter fordern deshalb unter anderem, dass die Markenfirmen, Schuhproduzenten und Schuhhändler ihre Verantwortung wahrnehmen. Zudem müssten Regierungen grundlegende Arbeitsgesetze schaffen, was die Löhne, Arbeitszeiten, die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz betrifft, und diese Gesetze auch konsequent durchsetzen.