Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Geschätzt leben in der Schweiz über 10 000 Menschen mit MS. Die Krankheit kann sich durch vielfältige Symptome manifestieren. Dazu gehören unter anderen Sehstörungen, Gefühlsstörungen der Haut, Nervenschmerzen und Muskellähmungen. «Multiple Sklerose ist die häufigste Erkrankung des Nervensystems im jungen Erwachsenenalter. Obschon die Krankheitsmechanismen immer klarer werden, sind bis heute die genauen Ursachen für den Krankheitsbeginn nicht bekannt», sagt Burkhard Becher, Direktor des Instituts für Experimentelle Immunologie an der Universität Zürich.

Verlauf in Schüben

Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem versehentlich die Isolationsschicht der Nervenleitungen im Gehirn angreift. Dabei kommt es zu verschiedenen neurologischen Symptomen, die schubweise verlaufen und nach längerer Zeit zu einer zunehmenden Einschränkung führen. Da die Erkrankung sehr unterschiedlich verläuft, ist eine individuelle Prognose nicht möglich. Heilen lässt sich MS derzeit nicht und insbesondere kann man schwere Schäden und verlorene Nervenfasern bislang nicht vollständig regenerieren. Eine individuell angepasste Therapie kann indes das Fortschreiten der Erkrankung erheblich verlangsamen und die Intensität der Schübe mindern. «Heute geht man davon aus, dass es wichtig ist, die Therapie bereits sehr früh zu beginnen, damit möglichst wenige Schäden beziehungsweise Einschränkungen resultieren», betont Becher. Eine MS, die schubweise verläuft, ist in aller Regel besser behandelbar. Demgegenüber kann eine progrediente Multiple Sklerose bis heute medikamentös nur sehr schlecht therapiert werden. Deshalb sind Forschung und Medizin auf zusätzliche Gelder für die Grundlagenforschung angewiesen.

Verschiedene Therapieansätze

Die Multiple-Sklerose-Therapie gliedert sich in unterschiedliche Bereiche: Ein akuter Schub erfordert kurzfristige Massnahmen, um zum einen den Entzündungsprozess zum Beispiel mit Steroiden zu stoppen. Zum anderen werden die mit dem Schub verbundenen Symptome bekämpft. Etwa bei einer Entzündung des Sehnervs, in deren Folge die Patienten auf einem Auge unscharf sehen, wobei die Farben allmählich verblassen. Viele Patienten leiden auch unter Sensibilitätsstörungen, einem unangenehmen Kribbeln oder dem sogenannten Ameisenlaufen.  Bei der symptomatischen Therapie werden die Patienten mit spezifischen Medikamenten oder Physiotherapie behandelt, so etwa beim «Ameisenlaufen» oder bei spastischen Beeinträchtigungen.

Viele Therapieoptionen

Gleichzeitig ist eine Dauerbehandlung indiziert, die das Fortschreiten der Erkrankung hemmen und die Anzahl und Vehemenz der Schübe reduzieren soll. «Alle diese Therapien wirken auf das Immunsystem und bezwecken, dieses in seiner Reaktivität zu verändern beziehungsweise zu blockieren», betont Becher. Hier hat die Forschung vor allem in den letzten Jahren ganz erhebliche Fortschritte erzielt und heute haben Patienten eine ganze Palette von Therapieoptionen. Mit andern Worten: MS ist eine teilweise behandelbare Krankheit. Auch nach einem längeren Verlauf können manche Betroffene noch berufstätig sein oder zum Teil eingeschränkt im Haushalt arbeiten.