Heimat ist, wo man lebt. Heimatsinn wird geprägt von den Gebäuden, in denen man sich zu Lebzeiten aufhält. Wobei die Gebäude selbst eine «Lebensdauer» haben, alt werden. Und sich im Lauf der Zeit verändern. Manchmal umweltbedingt, manchmal auch einfach neuen Gewohnheiten geschuldet, dem neumodischen Geschmack angepasst. Dabei werden allerdings gesetzliche Grenzen gesetzt.

Denn Gebäude werden auch als Erbe verstanden, das nachkommenden Generationen intakt übergeben werden soll. Dann werden Bauten von normalen Wohnstätten zu geschützten Baudenkmälern.

Diese Grenzen zwischen Selbstbestimmung des Eigentümers und der Anwaltschaft der Behörden werden permanent neu ausgelotet und bieten nicht selten Reibungsflächen. Denn hier stehen sich öffentliche Interessen und das Bauvorhaben von Einzelnen gegenüber. 

 

Fehlende finanzielle Mittel

Oft wird erst Jahre später die architektonische oder geschichtliche Bedeutung sichtbar. Was erhaltenswert ist, ist daher selten unbestritten. Die Mittelbeschaffung für die Denkmalpflege gestaltet sich auf politischer Ebene nicht einfach.

Jährlich würde der Erhalt einzigartiger Denkmäler, Ortsbilder und auch archäologischer Fundstellen mit 100 Millionen Franken zu Buche schlagen. Konkret steht ein Viertel dieser Mittel zur Verfügung. 2012 bis 2015 hat das Bundesamt für Kultur knapp 90 Millionen Franken an Fördergeldern investiert, wodurch 674 Denkmäler restauriert wurden.

Der Auftrag der Behörden geht über die reine Konservierung hinaus. Heutzutage stellt sich die Frage der Umnutzung, wirtschaftliche Aspekte wollen mitberücksichtigt werden. Eine nicht mehr genutzte Industriebaute ist zwar ein Zeitzeuge. Kann aber Raum für eine nicht zweckgebundene Nutzung bieten, bei deren Umsetzung die alte Bausubstanz eine Rolle spielen soll.

 

Ferien in einem Baudenkmal

Was laut Duden eine «Quelle menschlicher Geschichte» ist, ist neuerdings vom Tourismus entdeckt worden. Ferien im geschichtsträchtigen Haus – im 200-jährigen Gemäuer im Tessiner Dorf oder im sonnengebräunten Maiensäss – gelten als originell, auch wenn das Ferienbudget strapaziert wird.

Durch die Vermietung werden wiederum Gelder für den Erhalt generiert. Als Ferienhäuser sind im Internet beispielsweise ein Ofenhaus aus dem 17. Jahrhundert oder ein authentisches Engadiner Bauernhaus zu finden. Angepriesen wird auch ein Leventinerhaus aus dem 17. Jahrhundert, das durch sein haushohes Kaminzimmer besticht. Wem der Sinn danach steht, einmal die Atmosphäre in sich aufzunehmen, die ein Grossindustrieller gespürt haben muss, dem sei dessen Villa aus dem 19. Jahrhundert empfohlen.

 

Manchmal schon verloren

Nicht immer gelingt die Rettung. Zahlreiche Objekte, die als schützenswert gelten, stehen leer, sind schlecht unterhalten oder werden falsch genutzt, zerfallen oder sind vom Abbruch bedroht. Das macht testamentarische Hinterlassenschaften umso wichtiger. Weitsichtige Personen, die ihre Immobilie in ein Legat umwandeln, stellen sicher, dass ihr Wohnhaus auch nach ihrem Ableben nicht dem Vergessen anheimfällt.