In Borneo wird pro Minute eine Fläche von zwei Fussballfeldern Regenwald abgeholzt oder verbrannt. Das entspricht jährlich der halben Fläche der Schweiz. Einen grossen Teil beanspruchen Ölpalmplantagen.

Damit verlieren nicht nur die lokalen Bewohner und indigene Völker ihren Lebensraum, sondern auch der Orang-Utan. Immer wieder werden Menschenaffen illegal abgeschossen. Weil sie die Herzen der gezüchteten Ölpalmpflanzen fressen, setzen Unternehmen ein Kopfgeld aus.

Verwaiste Jungtiere werden teuer verkauft und unter erbärmlichen Bedingungen als Haustiere gehalten. Nebst dem Orang-Utan verschwinden noch andere seltene Tierarten wie der Borneo-Zwergelefant und der Sumatra-Tiger.

Die Orang-Utans in den Wäldern von Südostasien sind bereits auf eine Zahl von circa 62000 dezimiert worden. Der Borneo- und der Sumatra-Orang-Utan werden auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als «akut vom Aussterben bedroht» geführt.

Tierschützer haben Primatenschutzprogramme lanciert. Entlang der Rodungsgebiete werden die Menschenaffen wenn möglich umgesiedelt. Traumatisierte, verletzte oder verwaiste Tiere finden Zuflucht in Rettungsstationen. Dort lernen sie in einem jahrelangen Prozess alles für ein Leben in Freiheit, bevor sie in sichere Waldgebiete ausgewildert werden.

 

Umweltsünder

Davon bekommen die Verbraucher wenig mit. In der Schweiz steht der Beschluss eines Freihandelsabkommens für Palmöl aus Malaysia an. Organisationen, die sich dem Schutz des Orang-Utans und des Regenwaldes verschrieben haben, lancieren derzeit Sensibilisierungskampagnen, für die Parlamentarier, aber auch für die Konsumenten in der Schweiz, die durch den Kauf die Produktion unterstützen.

Denn Palmöl ist allgegenwärtig. Es steckt im Essen. In der Kosmetik. Im Putzmittel. Mittlerweile in jedem zweiten Supermarkt-Artikel. Und sogar im Autotank. Seit 2014 muss Palmöl auf Lebensmittelpackungen angegeben werden. Was hingegen kaum bekannt ist: Gut die Hälfte des in EU-Länder importierten Öls fliesst in Biosprit. Die Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist mit ein Grund für die Regenwaldzerstörung.

 

Die Palmöl-Problematik hat viele Facetten. Dass Millionen Menschen an den gesundheitlichen Folgen der Brandrodung leiden, ist nur eine davon. Durch die Brandrodungen geraten riesige Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre.

Paradoxerweise machen die Emissionen den Biosprit zu einem grösseren Klimaschädling als Treibstoff aus Erdöl. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, sorgte 2015 zeitweise für mehr Treibhausgas-Emissionen als die USA.

Weltweit nehmen Plantagen einen Raum von 27 Millionen Hektar ein – eine Fläche, die Neuseeland entspricht. 66 Millionen Tonnen pro Jahr: So viel Pflanzenöl wird jedes Jahr vom billigen Rohstoff produziert.