Anders sieht die globale Situation aus. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi setzt sich deshalb in Moldawien für den Schulzugang für Kinder ein, die aufgrund von Behinderungen spezielle Lernbedürfnisse haben.

Welche Hauptziele verfolgt das Projekt?

Ziel des Projektes ist die Integration von Menschen mit einer Behinderung in die Regelschule. Vom Recht auf Bildung sind meist Kinder aus kulturellen, religiösen oder sozialen Minderheiten ausgeschlossen. So auch Menschen mit Behinderungen. Die Rechte der betroffenen Kinder und Jugendlichen werden von der Stiftung gezielt gestärkt. Ein übergeordnetes und langfristiges Ziel ist die Implementierung des Ansatzes der inklusiven Bildung im nationalen Bildungssystem Moldawiens.

Wieso gerade Moldawien?

Moldawien ist das ärmste Land Europas. Dies wirkt sich unter anderem auf die Qualität und den Zugang zu Bildung aus.

Wie erleben Kinder mit und ohne Behinderung den gemeinsamen Unterricht?

Eine der Schwierigkeiten der inklusiven Bildung ist natürlich die Akzeptanz der Kinder untereinander. Anfänglich besteht meist grosse Skepsis. Zu Beginn hat eine Studie der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi jedoch gezeigt, dass sich die anfänglichen Bedenken durch die wertvolle Begleitung der Lehrkräfte schnell verflüchtigen. Sind diese Anfangshürden erst gemeistert, so profitieren beide Seiten.

Was braucht es, damit die Integration gelingt?

Für die erfolgreiche Integration von Kindern mit einer Behinderung in die Regelschule ist die Beteiligung zahlreicher Akteure nötig. Ausgebildete Lehrkräfte entwickeln auf die betroffenen Kinder angepasste Lehrpläne. Eine nicht offensichtliche und oft unterschätzte Komponente sind die Eltern der betroffenen Kinder. Sie müssen sensibilisiert und ermutigt werden, damit sie erkennen, dass inklusive Bildung für ihre Kinder und sie selbst eine Chance darstellt.

Wo sehen Sie die grössten Hürden, die es noch zu überwinden gibt?

Die grösste Hürde bilden sicherlich die vorherrschenden Vorurteile, die tief in der moldawischen Gesellschaft verankert sind. Eine weitere Herausforderung ist die Finanzierung der inklusiven Bildung. Das Finanzierungsmodell Moldawien vergibt die Unterstützungsbeiträge für inklusive Bildung flächendeckend an alle Schulen – also auch an Schulen, die keine Kinder mit Behinderungen aufnehmen. Die Unterstützungsbeiträge fehlen folglich an Schulen, die viele Kinder mit Behinderungen aufnehmen. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi bemüht sich deshalb um die Ausarbeitung eines sinnvollen Verteilschlüssels. Die Anerkennung unserer bisherigen Arbeit durch das moldawische Bildungsministerium zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.