Die Bilder aus den Nachrichten haben wir alle im Kopf. Überfüllte Flüchtlingsboote mit verzweifelten Menschen, die nur eines möchten – Sicherheit und ein besseres Leben. Sie riskieren ihr Leben, um den Schrecken des Krieges zu entkommen. «Die Ursachen der Flucht sind meist lebensbedrohliche Zustände, wie zum Beispiel Verfolgung oder Krieg», sagt Anja Klug, Leiterin des UNHCR-Büros für die Schweiz und Liechtenstein. Derzeit sind über 50 Millionen Menschen auf der Flucht. «Das sind unvorstellbare Zahlen. Auch wir von UNHCR stossen an unsere Grenzen», sagt Klug. Die traurige Rekordmarke von Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, bedeutet auch eine gewaltige Zahl von Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen ist.

Flucht und Vertreibung

Dies hat Auswirkungen sowohl für die entsprechenden Hilfsbudgets der Geberstaaten als auch für die Aufnahme- und Versorgungskapazitäten jener Staaten, die mit den Flüchtlingskrisen unmittelbar konfrontiert sind. Die Flüchtlinge kommen aus aller Welt. «Besonders viele Menschen flüchten derzeit aus Syrien. Rund 3,9 Millionen Menschen sind durch den Syrienkonflikt zu Flüchtlingen geworden. Nochmals 7,6 Millionen Menschen sind Binnenvertriebene, das sind Menschen, die innerhalb ihres eigenen Landes auf der Flucht sind», so Klug. Flucht und Vertreibung haben im letzten Jahr auch in Afrika erheblich zugenommen – vor allem in Zentralafrika und auch im Südsudan. So verwundert es nicht, dass die meisten Flüchtlinge in der Schweiz aus Eritrea kommen, gefolgt von Syrien und an dritter Stelle Sri Lanka.

Flucht bedeutet Gefahr

Eine Flucht ist fast immer mit grossen Entbehrungen, Gefahren und traumatischen Erlebnissen verbunden.  «Die Menschen lassen alles hinter sich, was ihnen lieb und teuer war. Sie fliehen in eine unsichere Zukunft, sie wissen nicht, was sie erwartet.» Nur ein kleiner Teil von ihnen kommt nach Europa. Die Mehrzahl der Flüchtlinge findet Aufnahme in den Nachbarstaaten. Viele müssen  unter  schwierigen Bedingungen das Überleben sichern. Durch die Flucht wird Menschen oftmals  alles genommen, Familien werden getrennt. Ein neues Leben aufzubauen ist schwierig. Viele sind von ihren Erlebnissen traumatisiert.

20. Juni Weltflüchtlingstag

Um auf die Lage der Flüchtlinge aufmerksam zu machen, hat die UN-Vollversammlung zum ersten Mal 2001 den 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag für Flüchtlinge ausgerufen. Seitdem wird dieser Tag in vielen Ländern von Aktivitäten und Aktionen begleitet, um auf die besondere Situation und Not von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. In Genf wird der Jet d’eau blau strahlen,  die Trams in Genf werden mit kleinen UNHCR-Wimpeln versehen sein, die Montblanc-Brücke wird in der folgenden Woche mit UNHCR-Flaggen versehen sein und Werbespots im Schweizer Fernsehen werden über diesen Tag hinaus das Flüchtlingsthema ins Bewusstsein der Schweizer Bevölkerung bringen. In diesem Jahr steht der Weltflüchtlingstag unter dem Motto «Menschen wie du und ich».  «Wir möchten zeigen, dass hinter jedem Flüchtling ein Mensch mit einer Geschichte steht. Denn diese Menschen sind Menschen wie du und ich. Viele haben eine gute Ausbildung, hatten Anerkennung und Erfolg im Beruf und haben eine Familie», betont Anja Klug.