Mittels aufsuchender Familienarbeit sollen Normalität und Verlässlichkeit wieder hergestellt werden. Eine Familie befindet sich in der Krise, die Eltern sind mit der Erziehung der Kinder überfordert, der Alltag gerät aus den Fugen, den Kindern fehlt es an einer Tagesstruktur und ihre Entwicklung ist gefährdet: Hier kann eine sozialpädagogische Familienbegleitung helfen, die Familienstrukturen zu stärken und die Familienressourcen so zu fördern, dass Kinder in einem stabilen, verlässlichen familiären Umfeld aufwachsen können. Eine ausgebildete Fachperson sucht die Familie regelmässig zu Hause auf, vermittelt gemeinsam definierte Ziele und setzt durch unterschiedliche Methoden Entwicklungs- und Lernprozesse bei den Familienmitgliedern in Gang. Der Einsatz ist zeitlich begrenzt und als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. Je früher diese Unterstützung in einer Krisensituation erfolgt, desto erfolgreicher kann sie umgesetzt werden. So können beispielsweise weitergreifende Kindesschutzmassnahmen wie eine Fremdplatzierung vermieden werden. Es sind Normalität und Verlässlichkeit, die durch diese Form der aufsuchenden Familienarbeit wieder hergestellt werden sollen, wie bei Ronja und ihrer Mutter.

Neue Erfahrungen machen

Ronja, zwölf Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter in der Stadt. Die Mutter ist psychisch krank, verschanzt sich zeitweise in ihrer Wohnung und hat grosse Ängste, sich unter Menschen zu begeben. Sie ist nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Zu ihrer Tochter hat sie eine sehr enge, fast symbiotische Beziehung. Aufgrund ihrer Ängste behandelt sie Ronja überfürsorglich und lässt ihr wenig Raum, Neues kennenzulernen. Die Familienbegleiterin unterstützt Ronja, Schritte in die Selbstständigkeit zu wagen, neue Erfahrungen zu machen, Sozialkontakte aufzubauen. Sie besucht mit ihr die Bibliothek, begleitet sie an Schulanlässe, organisiert mit ihr die Vorbereitungen für das Klassenlager. Gleichzeitig fördert sie die Mutter darin, ihrem Kind etwas zuzutrauen und Ronjas Bedürfnisse über ihre eigene Ängste zu stellen. Wie andere Anbieter, zum Beispiel städtische Stellen, setzt sich auch der Verein Espoir für das Wohl und die Rechte von benachteiligten Kindern ein.