Ihr Ziel, eines der Flüchtlingscamps. Über 3 Millionen Menschen – allein 1,5 Mio. davon sind Kinder – flüchteten bisher aus Syrien in die Lager der Nachbarsländer Jordanien und Libanon. Für viele von ihnen ist der Alltag ein harter Überlebenskampf. Doch sie hoffen darauf, nicht vergessen zu werden und eines Tages wieder in Frieden leben zu können. "Ich will zurück nach Syrien und in die Schule gehen. Ich wünsche mir, dass es keine Scharfschützen dort mehr gibt“, sagt Ashma. Sie lebt mit ihren Geschwistern und Cousins in einer Notunterkunft im Libanon. "Ich träume von leckerem Essen und dass keine Tausendfüssler auf mir herumkrabbeln wenn ich schlafe. Ich wünsche mir Spiele und wäre froh, wenn sich alles beruhigen würde." Mohammad sitzt auf dem Boden des Zeltes, das er mit seiner Familie bewohnt. Es sind kleine Wünsche und doch scheinen sie in der momentanen Situation so fern. „Es ist das schlimmste humanitäre Desaster unserer Zeit“, so die UNO zum Flüchtlingsdrama in Syrien, Jordanien und im Libanon sowie im Irak.

Prekäre Situation der Flüchtlinge
Die Situation der Flüchtlinge ist prekär. Das Hauptproblem in den Lagern ist die Armut. 74 Prozent aller Flüchtlingshaushalte leiden unter Nahrungsmittelknappheit. 33 Prozent der Flüchtlinge haben keinen Zugang zu Trinkwasser. 34 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder können nicht mehr zur Schule gehen.

60 Prozent der syrischen Spitäler sind zerstört
Fatma ist im neunten Monat schwanger und erwartet jeden Moment ihr Kind. In einem Spital zu gebären, ist fast unmöglich, wurden doch 60 Prozent aller syrischen Spitäler zerstört oder beschädigt. „Ich kann nur hoffen, dass es keine Komplikationen bei der Geburt gibt“, sagt sie. Dass sich ein Arzt um die Schwangere kümmern könnte, ist unwahrscheinlich: In Aleppo sind 40 Ärzte für 2,5 Mio. Menschen zuständig. Sie sind im Dauereinsatz und am Rande der Erschöpfung.

Weltkarte Syrien

Irak
Auch im Nordirak leben tausende Flüchtlingsfamilien unter schwierigsten Umständen in Notunterkünften. Seitdem sich der Konflikt im Irak verschärft hat und die Verfolgung von Christen, Jesiden und weiteren Minderheiten eskalierte, befinden sich rund 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie verlassen ihre Häuser und nehmen bei enormer Hitze lange Fussmärsche auf sich, um der Gewalt zu entgehen, die vielen ihrer Angehörigen bereits das Leben gekostet hat. Die Vertriebenen suchen Zuflucht in verlassenen Gebäuden, aber auch in nur notdürftig errichteten Zelten auf Pausenplätzen, vor Tankstellen und auf freien Feldern. Am meisten betroffen von Konflikten und Vertreibung sind auch hier die Kinder. Die sechsjährige Salma, die heute mit ihrer Familie in einem aus Decken und Kartons errichteten Zelt lebt, erinnert sich an ihre Flucht: „Wir liefen durch die Berge. Ich hatte grosse Angst – ich habe noch immer Angst. Ich kann nicht mehr lachen. Ich glaube, ich weiss gar nicht mehr, wie das geht.“ 1,2 Mio. Menschen wurden vom Terrorregime der IS-Milizen nach oder innerhalb von Südkurdistan (Irakisch-Kurdistan) vertrieben. Südkurdistan (Irakisch-Kurdistan) beherbergt bereits über 230 000 syrische Flüchtlinge. 200 000 Menschen wurden im Sinjar Distrikt vertrieben. 80 000 vertriebene Christen sind allein in Arbil in 22 Flüchtlingszentren untergebracht und dringend auf Unterstützung durch die Weltgemeinschaft angewiesen.