Claudia Medina Tamariz aus Mexiko, Verkäuferin und Mutter von drei Kindern, wurde in ihrem Heimatstaat verhaftet, gefoltert und zu einem «Geständnis» gezwungen. «Sie wollten, dass ich Sachen gestehe, von denen ich gar nichts wusste. Da ich mich weigerte, haben sie mich mit Elektroschocks gefoltert, geschlagen und getreten und sexuell missbraucht.» Ein ähnliches Schicksal erlebte Moses Akatugba aus Nigeria. Der 25-Jährige wurde aufgrund eines erzwungenen Geständnisses wegen Raubes zum Tode verurteilt. «Die Schmerzen während der Folter waren unerträglich. Ich habe nicht geglaubt, dass ich das überleben werde», gab er zu Protokoll. Das sind nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen, wie Menschen weltweit gequält, misshandelt und gefoltert werden.
 

Albtraum für Gefangene

Jetzt schlägt Amnesty International mit der Informationskampagne «Stop Torture» Alarm und weist in einem Bericht auf die erschreckende weltweite Verbreitung von Folter hin. 30 Jahre nach Verabschiedung der Antifolter-Konvention müssten die Staaten den Kampf gegen Folter endlich ernst nehmen. Schläge, Tritte, Aufhängen an Händen oder Füssen, Elektroschocks, Isolation, vorgetäuschte Exekutionen, Schlafentzug, Vergewaltigung, Bedrohung durch Hunde: Dies ist für viele Gefangene brutale Realität. «Damit dürfen wir uns nicht abfinden», sagt Patrick Walder, Kampagnenverantwortlicher von Amnesty International Schweiz. Amnesty hat in den vergangenen fünf Jahren Folter und Misshandlungen in 141 Ländern dokumentiert. In einigen Staaten handelt es sich um Einzelfälle, in vielen wird aber systematisch gefoltert. Oft ist die Misshandlung der Festgenommenen ein verbreitetes Mittel der Polizei, um Geständnisse zu erpressen und Erfolge vorzuweisen. Dem steht die Tatsache gegenüber, dass seit 1984 in 155 Staaten die Uno-Konvention gegen Folter ratifiziert haben. Das Folterverbot gilt absolut, da es zwingend zum Völkerrecht gehört.
 

Erschreckende Studie

«Die Regierungen verstecken sich hinter einer Doppelmoral. Sie bekennen sich zwar zum internationalen Folterverbot, unternehmen aber nichts gegen Folter oder ordnen sie sogar heimlich an», sagt Walder. Es brauche öffentlichen Druck weltweit, damit die Regierungen ihren rechtlichen Pflichten nachkommen und das Folterverbot respektieren. Erschreckende Zahlen zeigen, dass in weiten Teilen der Welt Folter sogar zunimmt. Viele Regierungen rechtfertigen dabei Folter unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit. Als Teil der «Stop Folter»-Kampagne hat Amnesty International eine Studie in Auftrag gegeben. Befragt wurden mehr als 21 000 Menschen in 21 Ländern auf allen Kontinenten über ihre Einstellung zum Thema Folter. Beinahe die Hälfte der Befragten befürchtete, dass sie nach einer Verhaftung in ihrem Heimatland gefoltert werden könnten.