«Auf der Seite der Opfer ist es schwierig, ein typisches Profil festzumachen. Häufig aber findet Menschenhandel von ärmeren in reichere Gegenden statt», sagt Katharina Schnöring, Leiterin von IOM Schweiz. Armut, Arbeits- und Perspektivenlosigkeit gehören zu den häufigsten Ursachen von Menschenhandel. Auf der anderen Seite stehen immer Personen, die von Menschenhandel profitieren – sei es die Täterschaft, aber auch Einzelpersonen, die Dienstleistungen oder Produkte konsumieren, die im Zusammenhang mit Menschenhandel stehen.

«Menschenhandel kommt grundsätzlich in jedem Land vor»

Es gibt wohl kaum ein Land, in dem Menschenhandel nicht vorkommt. «Es wird zwischen Herkunfts-, Transit- und Zielländer unterschieden. Die Schweiz stellt ein typisches Transit- und Zielland dar», weiss Schnöring. Grundsätzlich kann jeder einzelne Bürger etwas gegen Menschenhandel tun. «In erster Linie ist es wichtig, sich zu informieren und die Mechanismen und Ausbeutungsformen des Menschenhandels zu kennen, damit man im Verdachtsfall in der Lage ist, die zuständigen Stellen zu informieren», sagt Katharina Schnöring. Des Weiteren kann man einen Beitrag leisten, indem man das Konsumverhalten so anpasst, dass die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten, welche mit Menschenhandel in Verbindung gebracht werden, reduziert wird.

Prävention und Sensibilisierung

Die Schweiz hat zudem mit ihrem nationalen Aktionsplan gegen Menschenhandel Massnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel aufgezeigt, welche auf den vier Säulen der Prävention, Strafverfolgung, Opferschutz und Partnerschaft basieren. Auch die Internationale Organisation für Migration IOM ist im Bereich Prävention und Sensibilisierung aktiv. Das Büro der IOM in der Schweiz ist v.a. im Bereich der freiwilligen Rückkehr von Opfern von Menschenhandel tätig. «Zudem organisieren wir regelmässig internationale Runde Tische, die einen Austausch zwischen nationalen und internationalen Experten zu aktuellen Themen und Herausforderungen im Bereich Menschenhandel zum Ziel haben.»

Definition Menschenhandel

Die internationale Definition von Menschenhandel ist im Palermo-Protokoll festgehalten (Jahr 2000), welches von der Schweiz im Herbst 2006 ratifiziert wurde. Gemäss diesem Protokoll spricht man von Menschenhandel, wenn folgende drei Elemente vorhanden sind: Aktivitäten (wie z.B. Rekrutierung, Beförderung von Personen), Mittel (wie z.B. Androhung oder Anwendung von Gewalt, Betrug, Täuschung, Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit) und Zweck (wie z.B. sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Entnahme von Organen).