Das wahre Ausmass von sexueller Gewalt, ihre Ursachen und Folgen für Frauen sind nicht wirklich in das öffentliche Bewusstsein gedrungen. «Gewalt gegen Frauen scheint nach wie vor in vielen Bereichen so selbstverständlich und normal zu sein, dass selbst viele Frauen sie nicht als solche wahrnehmen», so Salome Gloor, Sozialarbeiterin FH, Frauenberatung sexuelle Gewalt. Dabei kennt leider praktisch jede Frau Situationen wie unerwünschte Anmachen, unangenehme Berührungen, Stalking per Telefon, E-Mail etc., Druck zur Sexualität durch den Partner, anzügliche Witze am Arbeitsplatz, sexuelle Ausbeutung in einer Abhängigkeitsbeziehung etc.

Machtmissbrauch mittels Sexualität

Frauen werden vergewaltigt und sexuell ausgebeutet, unabhängig von ihrem Aussehen, ihrer Kleidung, ihrem Alter und ihrem Verhalten. Die meisten Sexualdelikte werden nicht von Unbekannten, sondern von Partnern, Ex- Partnern oder Kollegen verübt. 82 Prozent der Frauen, die sich 2012 im Kanton Zürich bei der anerkannten Opferberatungsstelle Frauenberatung sexuelle Gewalt gemeldet haben, kannten die Täter schon vor der Tat. 21 Prozent der bekannten Täter waren Ehepartner oder Partner des Opfers. «Sexuelle Gewalt ist Machtmissbrauch mittels Sexualität. Die sexuelle Befriedigung spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle», weiss Gloor.

Hilfe und Beratung

Jede Form von sexualisierter Gewalt ist ein massiver Einbruch in das Leben. Die psychischen und körperlichen Grenzen einer Frau werden durchbrochen, sie wird in ihrem innersten Kern angegriffen: «Jeder sexualisierte Übergriff – unabhängig vom körperlichen Gewaltausmass – ist für Frauen äusserst demütigend und verletzt ihr Selbstbild und Selbstwertgefühl», erklärt Gloor. Ob eine Frau Anzeige erstatten will oder nicht, bleibt ihre freie Entscheidung. Das Opferhilfegesetz, seit 1993 in Kraft, verbessert die Stellung der Opfer von Gewalttaten. Opfer sexueller Gewalt können sich zudem anhand des Strafgesetzes und des Gleichstellungsgesetzes wehren. Für Laien ist es aber manchmal schwierig, sich im Gesetzesdschungel zurechtzufinden. Deshalb lohnt sich eine Beratung bei einer Opferhilfeberatungsstelle.