Der Zugang zu Wasser ist eine wichtige Komponente in der Armutsbekämpfung. «Wer Zugang zu sicherem Trinkwasser hat, ist in der Regel gesünder und produktiver. Das wirkt auf ein höheres Einkommen und bessere Bildungsmöglichkeiten und so auf die ganze Existenz einer Familie hin», betont Ulrich Bachmann. Er ist stellvertretender Geschäftsleiter von TearFund Schweiz, einem Hilfswerk der Schweizerischen Evangelischen Allianz.

Die Herausforderungen
Während seiner Arbeit begegnen Bachmann viele Hürden. «Gerade in ländlichen Regionen ist der Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen noch immer sehr schlecht. In dünn besiedelten Gebieten sind Lösungen häufig technisch aufwändig und deshalb teuer. Wir brauchen hier einen Ansatz, der weniger mit Zahlen operiert, sondern das Menschenrecht Zugang zu Wasser ins Zentrum stellt. Die Chancengleichheit und die Nicht – Diskriminierung von Frauen und bespielsweise ethnische Minderheiten, sind wichtige Grundlagen um den Zugang zu Wasser ermöglichen zu können. Speziell in Afrika ist das Beschaffen von Wasser die Aufgabe der Frauen und Mädchen. Oft leidet die Schule darunter, weil sie zu spät oder gar nicht kommen können. Durch einen einfachen Zugang zu Trinkwasser steigen also die Bildungschancen. «Auch stellen wir eine Abnahme der häuslichen Gewalt fest», sagt Bachmann. «Wassermangel im Haushalt trägt zu Konflikten bei.»

Lösungen und Ansätze
Bachmann versucht stets, angepasste Lösungen zu fördern: Beispielsweise die Nutzung von Regenwasser oder der Aufbau von kommunalen Wasserversorgungen in Uganda. «Die technische Seite ist dabei ein Teil unserer Arbeit», sagt Bachmann, «aber sie ist selten entscheidend. Vielmehr geht es um den Schutz des Quellgebietes und die Vermeidung einer Kontamination, die bei einem geschlossen System am häufigsten erst eintritt, wenn das Wasser dieses verlässt und ins Haus gebracht oder dort gelagert wird. Die gesamte Siedlungshygiene sowie den Umgang mit Lebensmitteln und Geschirr müssen wir deshalb gleichzeitig prüfen und schulen.»
Es ist ein Grundsatz von Bachmanns Arbeit, dass die lokalen Behörden und staatlichen Institutionen die Verantwortung für die Projekte übernehmen. «Der Zugang zu Wasser ist eine staatliche Aufgabe», sagt Bachmann. «Auch in Not- und Krisenregionen ist es wichtig, nicht nur eine kurzfristige Trinkwasserversorgung sicherzustellen, sondern von Beginn weg nachhaltige Strukturen aufzubauen. Im Südsudan beispielsweise gibt es derzeit noch sehr schwache oder inexistente staatliche Institutionen. Dort leisten wir Vorarbeit und einen Beitrag, dass diese überhaupt entstehen können. Schlussendlich muss die Bevölkerung den Zugang zu Wasser aber selber zur nachhaltigen Nutzung unterhalten können.»