Dr. Aleksandra Kupferberg ist Neurowissenschaftlerin und forscht mit einem Team aus Akustikern, Audiotherapeuten und Ingenieuren nach neuen Behandlungsmöglichkeiten bei Hörproblemen. 

Frau Kupferberg, welches Potenzial bietet das Gehirn bei der Behandlung von Hörproblemen?

Ein sehr grosses! Allerdings wurde dieses Potenzial bei der Behandlung von Hörproblemen bislang kaum miteinbezogen. Wir hören zwar mit den Ohren, aber das Gehörte wird erst im Gehirn verarbeitet und verstanden.

Zwischen einem Geräusch und einer Stimme erkennen die Ohren keinen Unterschied. Dank dem Gehirn können wir unseren Fokus auf das Wichtigste, etwa einen Gesprächspartner, lenken. Gleichzeitig können wir Nebengeräusche, Lärm und restliches Geplauder ignorieren.  Das Gehirn hilft uns, das Gehörte auch zu verstehen.

Hörprobleme sind tückisch, da sie oft spät erkannt werden. Was sollte man hier beachten?

Durch Medikamente, Lärm, Krankheiten und auch durch normale Alterungsprozesse entwickelt sich bei den meisten Menschen mit der Zeit ein Hörverlust. Dieser Hörverlust beginnt schleichend und wird von den  Betroffenen oftmals lange Zeit nicht wahrgenommen.

Je früher wir einen Hörverlust erkennen, desto einfacher können wir helfen.

Denn man spürt einen Hörverlust nicht und er bereitet auch keine Schmerzen. Erst wenn er schon weit fortgeschritten ist und man Mühe beim Zuhören oder in grossen Gesprächsrunden hat, nimmt man die Hörprobleme wahr. Wichtig ist deshalb, seine Ohren frühzeitig und sorgfältig prüfen zu lassen. Je früher wir einen Hörverlust erkennen, desto einfacher können wir helfen.

Das KOJ-Institut hat ein Gehörtraining entwickelt, das den Betroffenen helfen kann, besser zu verstehen. Nach welchem Prinzip funktioniert dieses Training?

Das therapeutische Verfahren, welches wir dazu verwenden, ist einfach: Die von uns entwickelte Gehörtherapie gleicht nicht nur den Hörverlust aus, sondern trainiert das Gehirn so, dass es lernt, Sprache wieder besser zu verstehen.

Das Grundprinzip ist dasselbe wie bei einer Reha. Bekommt das Gehirn weniger zu hören, bauen Areale für die Hörverarbeitung ab. Dadurch sinkt vor allem die komplexe Fähigkeit, Sprache unter Geräuschkulissen zu verstehen.

Unser Training fördert den Aufbau neuer neuronaler Verbindungen zwischen den Zellen und macht es so leistungsfähiger. Dadurch können wir Sprache besser und schneller verstehen.

Training oder Technik – was hilft mehr?

Die Kombination aus Training und Technik hilft am besten. Als einfacher Vergleich: Gute Sportschuhe alleine machen keinen Marathonläufer. Training ohne gute Ausrüstung ist auch nicht optimal. Deshalb sehen wir in der Kombination die besten Erfolgschancen.

Wie anspruchsvoll ist so ein Training mit dem Lerncomputer?

Das Training ist einfach und lässt sich in jedem Alter durchführen. Unser ältester Patient ist über hundert Jahre alt und hat das Training mit Erfolg abgeschlossen.

Der Lerncomputer passt sich an den Nutzer an; man muss keine Erfahrung mit Computern haben, sondern nur aufmerksam zuhören und antworten. Das Training kann ohne Hilfe zu Hause gemacht werden.

Was raten Sie Menschen mit Hörproblemen?

An erster Stelle steht eine frühzeitige Abklärung der Hörprobleme! Dazu können Sie sich an unser Institut in Luzern werden. Wir klären bei einer kostenlosen Gehöranalyse ab, ob ein Defizit besteht und eine Therapie hilfreich sein kann.