Das Prinzip der Gleichstellung ist ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft. Gerade im Bildungsbereich sollen Menschen die gleichen Chancen und Zugangsmöglichkeiten haben, unabhängig von sozialen und ökonomischen Voraussetzungen, Geschlecht oder besonderen Lernbedürfnissen. Um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten, wurde im Bildungssektor in letzter Zeit viel unternommen.

Breites Massnahmenpaket

Einer, der sich auf dem Gebiet auskennt, ist Benjamin Börner, Leiter der Fachstelle Studium und Behinderung an der Universität Zürich. 2016 nahmen 250 Leute mit besonderen Lernbedürfnissen die Dienstleistungen seiner Fachstelle in Anspruch.

«Die nachteilausgleichenden Massnahmen können zum Beispiel beinhalten, dass jemand extra Zeit oder einen separaten Raum bei Prüfungen bekommt, Zugang zu Ruheräumen und Aufzügen oder Unterstützung beim Umgang mit allfälligen Barrieren erhält.

Oder es wird ein den individuellen Bedürfnissen entsprechender Sitzplatz reserviert oder eine Fristverlängerung im Rahmen des Möglichen gestattet», erklärt Börner. Der Unterstützungsbedarf variiert je nach Fall und muss demensprechend individuell abgeklärt werden.

Für Studienanfänger

Als unterstützungsbedürftig gelten prinzipiell all jene, die gemäss der UN-Behindertenrechtskonvention mit einer diagnostizierten Behinderung oder chronischen Krankheit leben und für die sich dadurch laut Bundesverfassung eine Benachteiligung ergibt.

Der Fachstellenleiter rät angehenden Studierenden mit einer Behinderung: «Setzen Sie sich rechtzeitig mit Ihrer Fachstelle in Verbindung. Am besten direkt nach der Immatrikulation.

Denn die Planung und Organisation nachteilsausgleichender Massnahmen braucht Zeit.» Zum persönlichen Beratungsgespräch ist laut Börner ein fachärztliches Zeugnis mitzubringen, das beschreibt, wie sich die individuelle, gesundheitliche Situation auf das Studium auswirkt. «Im vertraulichen Gespräch wird dann erarbeitet, welche kompensatorischen Massnahmen diese behinderungsbedingten Nachteile so gut wie möglich ausgleichen können», so Börner.

Sein zweiter Ratschlag: «Werden Sie Experte für Ihre eigene Situation und machen Sie sich frühzeitig mit allen wichtigen Grundlagen vertraut. Auch wenn die Fachstelle Sie bestmöglich unterstützt, ist es wichtig, zu wissen, was im Studium auf einen zukommt und wo man die wichtigen Informationen findet.»

E-Accessibility immer wichtiger

Neben der baulich-technischen Barrierefreiheit gewinnt auch das Thema der digitalen Barrierefreiheit (E-Accessibility) für Studierende mit Beeinträchtigungen immer mehr an Bedeutung.

Universitäre Bildung wurde in den letzten Jahren zunehmend digitalisiert und zu einem beträchtlichen Teil ins Internet verlagert. «Ein erfolgreicher Studienabschluss ist heute ohne die Verwendung digitaler Informations- und Kommunikationsmedien kaum noch realisierbar.

Diese Entwicklung stellt eine grossartige Chance für Menschen mit Behinderung dar, Studieninhalte zu rezipieren und aktiver am Bildungsprozess teilzuhaben.

Durch E-Learning kann Wissenserwerb orts- und zeitunabhängiger stattfinden. Podcasts von Veranstaltungen eröffnen ganz neue Lernmöglichkeiten», sagt Börner und schliesst ab: «Es braucht manchmal viel Überzeugungskraft, da Dozierende die Nachteilsausgleiche für Studierende mit Behinderungen zuweilen als ‹Erleichterungen› missverstehen können. Nachteilsausgleiche sollen – wie der Name schon sagt – ausschliesslich behinderungs- oder krankheitsbedingte Nachteile kompensieren, so die Chancengleichheit fördern und dadurch einer Diskriminierung vorbeugen.»

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