Was sind die häufigsten Lebensgeschichten von verarmten Senioren und Seniorinnen?

Armut im Alter hat ganz unterschiedliche Gründe. Generell nimmt die Höhe des Erwerbseinkommens während der beruflich aktiven Phase einen entscheidenden Einfluss. Kleine Löhne führen zu kleinen Renten. Zusätzlich belasten Zwangsausgaben wie Krankenkasse, Steuern und Mieten schmale Budgets überproportional. Diese sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ausserdem können Schicksalsschläge wie Krankheiten oder der Verlust des Partners dazu führen, dass Menschen auch materiell in Not geraten.

Wie sehen die finanziellen Verhältnisse dann aus?

Zwölf Prozent der Rentner können den minimalen Lebensbedarf nicht über ihre Renten und das eigene Vermögen decken und sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Bei den ärmsten 20 Prozent machen die Einkünfte aus der ersten Säule, der AHV, rund drei Viertel aller Einnahmen aus. Bei den reichsten 20 Prozent hingegen ist dies weniger als ein Drittel. Die ärmsten Rentnerhaushalte können auch nicht auf ihr Vermögen zurückgreifen – zehn Prozent besitzen weniger als 10 000 Franken an Rücklagen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Armut im Alter?

Gemäss den Daten einer internationalen Erhebung beträgt die Armutsquote in der Schweiz für Menschen ab 65 Jahren 16 Prozent und liegt damit deutlich über jener der Gesamtbevölkerung mit 7,8 Prozent. Bei Alleinstehenden sind es sogar 25,9 Prozent. Gemäss dieser Erhebung ist also jede vierte allein lebende Person über 65 Jahren armutsgefährdet. In absoluten Zahlen handelt es sich um rund 190 000 Menschen. Die weitere Entwicklung wird nicht zuletzt davon abhängen, welche Antworten Gesellschaft und Politik finden.

Gibt es weitere Situationen, in denen Senioren verstärkt Hilfe benötigen?

In unseren Sozialberatungen führen wir auch viele Gespräche zur Lebensgestaltung. Darunter fallen soziale Kontakte, Beziehungsprobleme oder eine persönliche Begleitung. Zudem beraten wir in Sachen Gesundheit, Wohnen und Recht und unterstützen bei administrativen Aufgaben. Wir helfen in der persönlichen Vorsorge und entwickelten mit Docupass ein modular aufgebautes Dokument, welches beim Verfassen von Patientenverfügungen, Vorsorgeaufträgen, Testamenten oder Anordnungen für den Todesfall unterstützt.

Welche nächsten Meilensteine verfolgen Sie?

Wir setzen uns für das Wohl, die Würde und die Rechte von älteren Menschen in der Schweiz ein. Das Wort Wohl steht für die materielle Existenzsicherung. Würde bringt die Anerkennung eines Menschen zum Ausdruck, unabhängig von seinem Alter. Das Wort Rechte macht klar, dass ältere Menschen einen Anspruch auf Unterstützung haben, wenn sie diese benötigen. Rechte dürfen nicht davon abhängig gemacht werden, ob jemand der Gesellschaft von Nutzen ist oder nicht.