Jeden Abend sitzt Lorena von nun an in ihrem Zimmer, holt ihren Kalender hervor und streicht geduldig einen Tag nach dem anderen mit einem grossen Kreuz durch. Lorena ist ein unauffälliges Kind. Sie überlebt nur deshalb, weil sie Konflikten aus dem Weg geht. Lorena ist eines von 100 000 vergessenen Kindern in der Schweiz. Eines von 100 000 Kindern, das mit einem alkohol­abhängigen Vater oder einer alkoholabhängigen Mutter aufwächst. Häufig fühlen sich diese Kinder alleine, minderwertig, verlassen. Sie entfliehen in eine anonyme Traumwelt, in der sie in Ruhe und Sicherheit leben können. Doch viele von ihnen holt die Realität früher oder später ein. Kinder aus alkoholbelasteten Familien tragen ein sechsfach höheres Risiko, selbst eine ­Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, wie das Blaue Kreuz in einer Mitteilung schreibt.

Probleme ansprechen

Insbesondere bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren ist die Gefahr gross, etwa alkoholabhängig zu werden. Der jährliche Spirituosenkonsum liegt bei dieser Altersgruppe bei 4,5 Liter und ist damit überdurchschnittlich hoch. Nur dank Spenden können Familien eine kostenlose Beratung beim Blauen Kreuz in Anspruch nehmen. Probleme werden so nicht weiterhin totgeschwiegen, sondern Lösungen für eine bessere Zukunft entwickelt. Eltern und Kindern sollen dadurch Hoffnung gegeben und neue Perspektiven aufgezeigt werden.