Aufgrund der desolaten Lage in den kriegsversehrten Ländern engagiert sich die Zürcher Landeskirche seit sechs Jahren für die bedrängten Christen und andere religiöse Minderheiten im Nahen Osten. Trotz wachsender Solidarität war die Not der Menschen noch nie so gross wie heute. «Die seit Jahren wachsende Hilfsbereitschaft ist aber ein kleiner Lichtblick», sagt Philippe Dätwyler, der die Hilfe der Zürcher Landeskirche für den Nahen Osten koordiniert.

Gezielte Verfolgung

In den letzten vier Jahren habe man Projekte in Irak, Syrien und der Türkei mit rund einer Million Franken unterstützt und damit besonders auch die Not der Christen und der Jesiden gelindert, betont Dätwyler. «Die Bevölkerung hier weiss von der grenzenlosen Brutalität, der Verfolgung, Versklavung  und Vertreibung von Menschen allein aufgrund ihres anderen Glaubens.» Zunehmend setze sich die Erkenntnis durch, dass dies zur gezielten Strategie der Terrormiliz IS gehöre.
Dass die Landeskirche nun wieder Hilfsgelder zur Verfügung stellen kann, verdankt sie den Sammelaktionen zahlreicher Kirchgemeinden sowie Spenden von Stiftungen, Institutionen und Einzelpersonen. Die Zürcher Landeskirche hatte bereits früher Kontakte zu Hilfsorganisationen und Vertretern christlicher Kirchen im Nordirak aufgebaut und unterstützte lokale Hilfs- und Aufbauprogramme. Ziel war damals, den Christen in ihrer Heimat im Irak eine Zukunft zu geben. Unterstützt wurden Kindergärten, Bildungszentren für Frauen, kleinere Druckereien und Kliniken zur Behandlung verletzter und traumatisierter Kriegsopfer. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, insbesondere mit CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq), zeigte gute Resultate.

Es geht ums nackte Überleben

«Zielten die Hilfsanstrengungen vor fünf Jahren noch auf Wiederaufbau und Stabilisierung, geht es heute um das nackte Überleben der Flüchtlinge», betont Dätwyler. Den vertriebenen Christen, die Hals über Kopf fliehen mussten, bleibe nur die Hoffnung, einst wieder in ihre Gebiete zurückkehren zu können. «Eine Rückkehr in ihre Heimat ist aber nur möglich, wenn die Miliz des IS dauerhaft zurückgedrängt wird und die Uno eine internationale Schutzzone einrichtet.» Das Hilfswerk CAPNI versorgt die vertriebenen Menschen zurzeit mit dem Allernötigsten zum Überleben. Dazu gehört unter anderem eine grosse Lieferung an Teppichen, die den Flüchtlingsfamilien abgegeben werden, damit sie nicht mehr auf dem nackten Boden oder auf Kartonunterlagen leben und schlafen müssen. Die Landeskirche vertritt die Haltung, dass sich die Kirche grundsätzlich für alle Menschen einsetzen soll, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Deshalb unterstützt sie auch das HEKS (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz) und seine Flüchtlingsprojekte im Nahen Osten. Zugleich habe die Kirche aber eine besondere Verantwortung für ihre eigenen Glaubensangehörigen, so Dätwyler.