Insgesamt wurden durch den Konflikt bis heute zwölf Millionen Menschen vertrieben, vier Millionen davon flüchteten aus Syrien, um mehrheitlich Schutz in den Nachbarländern Libanon, Jordanien, Türkei und Irak zu suchen. Denn die humanitäre Situation in Syrien verschlechtert sich zusehends. In vielen Gebieten, die von bewaffneten Kämpfen betroffen sind, mangelt es an lebensnotwendigen Gütern wie Nahrungsmitteln, Wasser, Strom und medizinischer Versorgung. Unzählige Menschen haben zudem ihre Arbeit verloren und damit die Möglichkeit, ihre Familien zu versorgen. «Der Syrienkonflikt stellt durch sein Ausmass, die lange Dauer und durch die Not und Bedürfnisse, die er ausgelöst hat, aussergewöhnliche Anforderungen an die humanitäre Hilfe», betont Manolo Caviezel, Projektbeauftragter bei der Glückskette. Die Stiftung, welche Projekte ihrer Partnerhilfswerke in Syrien und den Nachbarländern finanziert, passt sich deshalb diesen speziellen Herausforderungen an die humanitäre Hilfe laufend an.

Krise bedingt spezielle Antworten

Neben bewährten Ansätzen der Nothilfe werden vor Ort immer wieder neue Arten von Hilfsprojekten eingesetzt, um der betroffenen Bevölkerung optimal helfen zu können. Dazu gehören die Bargeldhilfe oder auch die Instandstellung von Rohbauten in Zusammenarbeit mit den Besitzern der Wohnungen, damit die Flüchtlinge unter anständigen Bedingungen gratis wohnen können. Nicht nur im Feld, auch in der Kommunikation und im Fundraising sucht die Glückskette laufend nach neuen Möglichkeiten, damit der Konflikt und die Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Aufgrund der aussergewöhnlichen Dimensionen der Krise engagiert sich die Glückskette in einem Ausmass, das jenes von anderen Sammlungen übertrifft. Nach einem nationalen Sammeltag im November 2012 und zweimaliger Verstärkung des Spendenaufrufes für Syrien hat die Glückskette im April dieses Jahres zum ersten Mal in der Geschichte der Stiftung einen gemeinsamen Spendenaufruf mit acht Partnerhilfswerken lanciert, die Nothilfeprojekte für die Opfer des Syrienkonfliktes umsetzten.

Appell an die Politik

Die Kampagne, welche aufgrund der Dringlichkeit der Bedürfnisse und der praktisch aufgebrauchten Spendengelder weitergeführt wird, soll über den Spendenaufruf hinaus die Öffentlichkeit über digitale Medien dazu auffordern, ihre Solidarität mit den Kriegsopfern und Flüchtlingen auszudrücken. Angesichts der verheerenden Schiffsdramen im Mittelmeer zeigt sich, dass die Hilfe vor Ort in Syrien und in den Nachbarländern enorm wichtig ist, auch wenn sie die ausweglose Situation für die Flüchtlinge nur lindern, nicht aber lösen kann. Nicht zuletzt ist «#TogetherForSyria» ein Appell aller beteiligten Partner an die Politik, sich für eine politische Lösung im Syrienkonflikt einzusetzen. «Dies ist der einzige Weg, um den Millionen von Opfern eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen», sagt Caviezel.

Engagement muss weitergehen

Die Glückskette konnte bisher auf eine grosse Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit den Opfern des Syrienkonfliktes zählen und hat bislang 21 Millionen Franken an Spendengeldern gesammelt. Mit diesem Geld konnten 47 Projekte von zehn Hilfswerken finanziert werden. Dabei konzentrierten sich die beteiligten Werke auf die Nothilfe, die aufgrund der aktuellen Situation mittlerweile langfristig angelegt ist. Neben der medizinischen und psychosozialen Hilfe für die stark traumatisierten Opfer des Krieges unterstützt die Glückskette auch Projekte in der Nahrungsmittelhilfe und im Support bei den Wohnungsmieten und Unterkünften. «Je länger die humanitäre Krise dauert, desto prekärer wird die Situation der Opfer», warnt Manolo Caviezel. Deshalb wird das Engagement der Glückskette ausgebaut: Ziel ist es, auch nach vier Jahren Konflikt als Geldgeber aufzutreten, auf den sich die Hilfswerke und die Opfer des Konfliktes verlassen können.