«Uns geht es nicht um einen bestimmten pädagogischen Ansatz», sagt Beatrice Schulter, Leiterin der inter­nationalen Programme der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. «Wir sagen nicht, wir in der Schweiz wüssten, was zu tun ist – sondern wir fördern gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort ganzheitliche Lösungen, die sich auf die Kinderrechte beziehen.» Die Stiftung unterstützt derzeit vierzig Projekte in elf Ländern, in denen es darum geht, den Zugang zu einer guten Grundbildung zu verbessern.
«Uns ist wichtig, nicht nur auf schulisches Wissen zu setzen. Um zur Armutsbekämpfung beizutragen, muss Bildung alle Dimensionen des Menschen berücksichtigen. Ganzheitliche Bildung fördert die soziale und interkulturelle Kompetenz. So lernen die Kinder aktiv, sich selbst zu helfen und sich zu selbstbewussten Erwachsenen zu entwickeln», erklärt Beatrice Schulter das Ziel der Stiftung. Dies ist in den betroffenen Ländern keine Selbstverständlichkeit.

Ganzheitliche Betreuung

Kinder aus abgelegenen Gebieten, aus ethnischen und sprachlichen Minderheiten und Mädchen sind weltweit stärker vom Zugang zu qualitativ guter Grundbildung ausgeschlossen. In den elf Länderprogrammen geht die Hilfsorganisation in Zusammenarbeit mit ihren lokalen Partnern auf die spezifischen Gegebenheiten ein, die eine schulische Grundbildung erschweren. In Südostasien erhalten ethnische Minderheiten keinen Zugang zu relevanter Bildung, da die Lehrpläne nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind und von der Zentralregierung entsandte Lehrpersonen die Sprache der Kinder nicht sprechen. In Zentralamerika ist das gewalttätige Umfeld (Drogenkartelle, Jugendbanden) ein Problem. Und in Ostafrika erschwert die schwache Stellung der Frau, gekoppelt mit der grassierenden Armut, dass Mädchen die Grundschule besuchen können. Auch in Europa gibt es prekäre Situationen. In Südosteuropa werden Minderheiten, wie die Roma, von Bildung ausgeschlossen und Kinder mit Behinderungen bekommen oft keinerlei Förderung.
«Die Staaten haben die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, allen Kindern den Zugang zu qualitativ guter Bildung zu garantieren», erklärt Beatrice Schulter. Aus unterschiedlichen Gründen gibt es weltweit noch grosse Defizite in der Realisierung dieser Rechte. Deshalb arbeitet die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi mit den staatlichen Verantwortungsträgern und der betroffenen Bevölkerung zusammen. Beide Seiten sollen befähigt werden, ihren Beitrag an die nachhaltige Entwicklung ihrer Schulsysteme zu leisten.