Von Afghanistan bis Zentralafrika unterstützen Sie schulische Angebote. Inwiefern helfen diese den kriegstraumatisierten Flüchtlingen?

Schulen stehen für Stabilität und klare Strukturen. Wie Jesuiten aus dem Südsudan berichten, weigerten sich Bürgerkriegsflüchtlinge, die an unseren Einrichtungen gefördert wurden, erneut in den Kampf zu ziehen. Bildung eröffnet Perspektiven für die Zukunft. Dafür machen wir uns stark, zusammen mit unseren Partnerorganisationen in aller Welt.

Zu diesem Zweck unterrichten Sie heute auch Flüchtlingskinder?

Ja, unsere Schul- und Ausbildungsangebote sind hier besonders wichtig. Denn Bildung ist ein Weg, um Traumatisierungen zu überwinden und neue Hoffnung zu geben. Wir richten in den Kriegsgebieten und Zufluchtsländern nicht nur provisorische Schulen ein, sondern bieten auch Aus- und Weiterbildungsmassnahmen zur beruflichen Qualifizierung an. So etwa in Syrien, wo Jesuiten unter grossen Gefahren als fast einzige Hilfsorganisation vor Ort aktiv sind. Zurzeit bauen wir für Kinder und Jugendliche, die mit ihren Familien vor dem Terror des «Islamischen Staats» fliehen mussten, Behelfsschulen im Nordirak auf.

Sie bieten auch Studienmöglichkeiten in Flüchtlingslagern an.

 Wie in Flüchtlingslagern in Kenia und Malawi haben Jesuitenteams auch in Jordanien eine Online-Universität für Flüchtlinge aus Syrien eingerichtet. Bisher erhalten weniger als ein Prozent aller Flüchtlinge Zugang zu einer Universitätsbildung. Wir bieten talentierten, lernwilligen Lagerbewohnern die Chance, ein Hochschulstudium via Internet zu absolvieren. Das Ziel ist, das Leben im Flüchtlingslager zu verbessern, Rückkehrer für den Wiederaufbau in der Heimat auszubilden und Flüchtlingen, die in ein Drittland umsiedeln, dort den Start zu erleichtern.

Bildung dient also dem Frieden?

Auf jeden Fall. Eines ist mir aus unserer in Zürich gezeigten Ausstellung «Flucht und Vertreibung» besonders haften geblieben: Kinder aus Afghanistan malten zum Thema Frieden Schulen. Wenn man immer auf der Flucht war, wird die Schule zu einem Hort des Friedens. Wir sorgen deshalb in Afghanistan unter anderem für den Wiederaufbau einer Technischen Schule für 600 Schülerinnen und Schüler. Da unsere Schulen allen offenstehen – unabhängig von Religion und Ethnie –, fördern sie nachhaltig das Zusammenleben von Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund.