Wie sieht zeitgemässe Entwicklungsarbeit aus?
Peter Arbenz: lm Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit steht die Überwindung der Armut. Konkret heisst das, die Lebensgrundlagen benachteiligter Menschen und ihre Einkommensverhältnisse zu verbessern. Dieses Ziel kann am besten in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Bevölkerung an der Basis erreicht werden. Der Frauenförderung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Helvetas hat die Vision, die Grundrechte aller Menschen sicherzustellen.
Tatsächlich basiert die Vision von Helvetas auf der Charta der Menschrechte. Dazu gehören das Recht auf Leben, Nahrung, Wasser und politische Rechte wie die Meinungsäusserungsfreiheit. Mehr als eine Milliarde Menschen entbehren dieser Grundrechte. Einfordern müssen sie ihre Rechte primär selber. Bei der Entwicklung demokratischer Strukturen und einer sozial-verträglichen Wirtschaft brauchen sie jedoch Unterstützung.
 
Ist die Sicherstellung dieser Grundrechte die Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung?
Grundrechte sind das eine. Für eine nachhaltige Entwicklung braucht es aber auch Verpflichtungen: der Umwelt Sorge zu tragen, in erneuerbare Energien zu investieren, den Raubbau an Rohstoffen und Ressourcen zu verhindern. Wirtschaftliche Anreize und offene Märkte für biologisch produzierte Produkte können diese Grundhaltung
fördern.

Sauberes Trinkwasser ist in der Entwicklungszusammenarbeit ein wichtiges Thema. Was können Spenden aus der Schweiz in diesem Bereich bewirken?
Mit einer Wasserpatenschaft kann einer ganzen Familie ein lebenslanger Zugang zu sauberem Trinkwasser verschafft werden. Dank Spenden errichten wir Sodbrunnen in Mosambik oder dörfliche Wasserversorgungen mit Zapfstellen in Guatemala, Nepal oder Haiti. Allein letztes Jahr konnte Helvetas über 370 000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser verschaffen.

Im vergangenen Jahr hat Helvetas den Spendenrekord von knapp 19 Millionen Franken erreicht. Warum waren die Schweizer so spendabel?
Die Schweizerinnen und Schweizer haben ein Herz für die Ärmsten. Der Spendenrekord ist auch Ausdruck des Vertrauens in die Entwicklungsarbeit.