Killerargumente sind schnell zur Hand...

...wenn es um Spenden für Projekte in Afrika geht. Erstens verschwinde das Geld in korrupten Clans, zweitens sei die Hilfe nur ein Tropfen auf den heissen Stein, drittens würde Afrika durch Spenden in der Abhängigkeit belassen, viertens versickere viel Geld hierzulande für Marketing und Verwaltung, und fünftens wolle man mit Spenden vor allem das eigene Gewissen beruhigen wegen der Erwärmung des Klimas und des räuberischen Abbaus von Edelmetallen in Afrika.

Tatsache ist, dass das reale Pro-Kopf-Einkommen in Afrika in den letzten 20 Jahren gestiegen ist. Wirtschaftliche Entwicklung existiert, auch wenn immer noch mehr als zwei Drittel der Menschen südlich der Sahara weniger als zwei Franken pro Tag verdienen.

Nichtstaatliche Hilfsorganisationen und Stiftungen, die im Norden Spenden sammeln, um im Süden Projekte anzustossen, arbeiten hochprofessionell. Dennoch sollen und wollen sie nicht Löcher stopfen, wenn nördliche Staaten ihre Beiträge für die Entwicklungszusammenarbeit kürzen.

Die Schweiz ist ein Land von Spendern beziehungsweise Spenderinnen. 71 Prozent der Personen über 15 Jahren in der Schweiz spenden regelmässig Geld. In den letzten Jahren spendeten Frau und Herr Schweizer jährlich rund 1,8 Milliarden Franken Nur die Holländer (85 Prozent) sind spendenfreudiger, während weniger Briten (55 Prozent), Franzosen (49 Prozent), Deutsche (33 Prozent), Italiener (30 Prozent) und Spanier (19 Prozent) regelmässig Geld spenden.

Die Schweizerische Gemeinnützige Gemeinschaft (SGG)...

...erforscht und fördert das freiwillige Verhalten in der Schweiz. Dazu gehört neben der Freiwilligenarbeit, die fast jede zweite Person leistet, auch das Spenden von Geld. Laut Freiwilligenmonitor spenden Frauen in der Schweiz eher als Männer, Ältere eher und mehr als Junge, Kinderlose eher als Grosshaushalte, Gutverdienende und Personen mit höherer Bildung mehr als die weniger Privilegierten, Protestanten eher als Katholiken und Konfessionslose, Deutschschweizer eher als Romands und Tessiner.

Am häufigsten spenden Deutschschweizer für Menschen mit Behinderung, für Kinder und Jugendliche sowie für Sozial- und Nothilfe. Am meisten Personen (37 Prozent) spenden jährlich zwischen 100 und 300 Franken.

Von den über 80-Jährigen spenden 87 Prozent der Frauen und 73 Prozent der Männer, von den 20- bis 39-Jährigen spenden lediglich 61 Prozent. Spenderinnen und Spender stellen ihr Geld aus unterschiedlichen Motiven zur Verfügung: 86 Prozent drücken damit ihre Dankbarkeit für das eigene Wohlergehen aus, 85 Prozent erhalten beim Spenden ein gutes Gefühl, 72 Prozent wollen eine Wirkung erzielen und ebenso viele spenden aus Überzeugung gegenüber der Sache und dem Hilfswerk.

65 Prozent drücken mit der Spende ihre Solidarität mit anderen aus, 37 Prozent wären selber froh, wenn sie in der Not Hilfe erhalten würden, 28 Prozent sind vom sozialen Umfeld betroffen, 22 Prozent spenden aus Mitleid und 13 Prozent aus Glaubensgründen.

Viele Personen prüfen genau, welchen gemeinnützigen Organisationen sie ihr Geld anvertrauen. Sie studieren aufmerksam die Jahresbilanzen und Geschäftsberichte der Hilfswerke. Andere lassen sich beim Spenden eher vom Jööö-Effekt von Bildern oder anderen Bauchargumenten leiten.

Darum erhalten manche Organisationen mehr Spenden als sie ausschütten können, weil es die 16-köpfige Familie in Bergdörfern längst nicht mehr gibt. Manche Stiftungen haben veraltete Vergabebestimmungen und haben weder Umweltprobleme noch alleinerziehende Mütter oder Flüchtlinge auf ihrem Radar. Wem also soll man spenden? Für Transparenz und Effizienz bürgen zweifellos Güte-Siegel.

Richtig spenden bleibt aber eine Kunst. Nur eine Kunst ist noch höher, nämlich Spenden zu erhalten.